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Ähnlich wie bestimmte Substanzen sich gegenseitig in der Wirkung verstärken
können (Synergie), kennt man auch das gegenteilige Phänomen, nämlich eine
gegenseitige Behinderung bzw. Verdrängung. So setzen die Kalorien aus einem
Schnaps vor einer Mahlzeit mehr zu als nach der Mahlzeit. Sich hierüber allzu
viele Gedanken zu machen lohnt sich vermutlich kaum. Denn allzu vieles ist
unklar.
Grundsätzlich weiß der Mensch sehr wenig über die Art und Weise, wie der
Organismus Nahrung konkret im Einzelfall nutzt. Die Verwertung ist von derart
vielen Faktoren abhängig, dass eine praktische Berücksichtigung für den
Verbraucher kaum machbar und sehr wahrscheinlich auch überflüssig ist. So nimmt
der Körper durchschnittlich nur 5% des zugeführten Magnesiums und nur 30% bis
40% des zugeführten Calciums auf. Dem Verbraucher kann dies egal sein, denn die
empfohlenen Dosierungen berücksichtigen bereits diesen „Schwund“. Vitamin C
fördert die Resorption von (nicht-hemen) Eisen, Oxalate behindern die
Eisenresorption. Zink und Eisen konkurrieren miteinander. Manche Antacida
verringern die Verfügbarkeit von Phosphor oder Fluor, hohe Aspirindosen
beeinflussen die Vitamin-C- und Folacinverfügbarkeit.
Auch Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, der bereits vorhandene
Nährstoffspiegel, Erkrankungen u.a. bestimmen über die Aufnahme von Nährstoffen.
Ein gesunder Mann nimmt weniger als 1% des angebotenen Nahrungseisens auf, eine
anämische Frau nimmt um die 35% des Eisens auf. Eine schwangere Frau liegt sogar
noch höher in der Resorptionsrate.
Wollte der Konsument alle diese Faktoren berücksichtigen, dann könnte er
seinen eigentlichen Beruf an den Nagel hängen ...
Tatsache ist: Außer in einigen wenigen Fällen sollte man sich generell von
den eher akademischen Betrachtungen über die Verfügbarkeit nicht irritieren
lassen. Letztendlich entziehen sich die gegenseitigen Wechselwirkungen unserem
derzeitigen Beurteilungsvermögen. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass der
Organismus weiß, was er tut, wenn er z.B. Eisen mal kaum, mal zu 95%
aufnimmt. Es existieren eine Unzahl konkurrierender oder verstärkender
Mechanismen und es darf zumindest bezweifelt werden, ob der Mensch den Sinn
derzeit beurteilen kann. Allzu oft überschaut er nur einen winzig kleinen Teil
einer sehr langen Reaktionskette und übersieht den endgültigen Sinn, der z.B.
erst am Ende der Reaktionskette oder gar einer Nebenreaktion sichtbar wird.
Bisher hat der Mensch die Natur nicht einmal halbwegs verstanden –
aber er will es auf jeden Fall besser wissen. Welch eine
Arroganz. |