| Vitamin E ist ein starkes Antioxidans und verhindert
u.a. die Oxidation (Ranzigwerden) körpereigener Fette. Personen mit Übergewicht
(viel Fett), Rauchern usw. ist eine verstärkte Zufuhr zu empfehlen. Es wirkt
gegen Zell-alterung und verhilft zu einem jüngeren Aussehen, es versorgt den
Organismus mit Sauerstoff, schützt die Lungen, beugt Thrombosen vor und
beschleunigt Heilungsprozesse (z.B. bei Verletzungen). Es schützt das
Nervensystem und die Retina, senkt das Herz-Kreislauf-Risiko, reduziert
etliche Krebsrisiken und das Alzheimer-Risiko.
Sogar das renommierte Berkeley Institut hat sich schon vor Jahren für
eine höhere Dosierung ausgesprochen (um die 400 IE). Auch deutsche Pharmazeuten
(Apothekerrundschau) empfehlen höhere Dosierungen: z.B. zur Schmerzbekämpfung
bei Arthritis 3 x 400 IE. Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
(DGE) empfiehlt 12 mg, wobei sie die leicht missverständliche und überholte
Angabe in Milligramm verwendet, obwohl international „IE“ bzw. „IU“ verwendet
werden. Bei der Dosisempfehlung in Milligramm bezieht sich die DGE auf eine ganz
bestimmte Vitamin-E-Qualität, nämlich das RRR-alpha-Tokopherol. Hierbei ist 1
mg = 1,49 IE. Die von der DGE empfohlenen 12 mg entsprechen demnach etwa
18 IE.
Vitamin E gehört zu den wenigen Beispielen, bei denen die Diskussion
synthetisch vs. natürlich gerechtfertigt ist (siehe Künstlich oder
natürlich). Früher verwendete man fast ausschließlich die „synthetische“,
heute bevorzugt man die „natürliche“ Form.
Vitamin E ist genau genommen der Familienname von acht ähnlichen
fettlöslichen Substanzen. Die vier Tokopherole und vier Tokotrienole warten mit
jeweils einem alpha-, beta-, gamma- und delta-Mitglied auf. Die biologische
Aktivität wird mittels eines standardisierten Verfahrens gemessen, wobei das
alpha-Tokopherol als stärkste Substanz definiert wurde. Alle anderen
Familienmitglieder müssen sich sozusagen daran messen. Damit man die
unterschiedlichen Aktivitäten miteinander vergleichen kann, wurde die
Internationale Einheit eingeführt, die sich auf 1 mg alpha-Tokopherol (1 IE)
bezieht. Wenn man als Kunde demnach 200 IE auf der Verpackung liest, dann ist es
gleichgültig, welches Familienmitglied gerade verwendet wurde: Die Angabe
bezieht sich auf die alpha-Tokopherol-Aktivität. Aber ...
Inzwischen entdeckte man unterschiedliche Qualitäten bei den diversen
Familienmitgliedern der Vitamin-E-Sippe und es mehren sich Zweifel, ob es noch
länger Sinn macht die „Stärke“ über alpha-Tokopherol zu definieren und damit
letztlich alles über einen Kamm zu scheren. So schreibt man den „schwächeren“
Tokotrienolen inzwischen eine bessere Wirkung gegen Arteriosklerose zu als den
„starken“ alpha-Tokopherolen. Immer häufiger trifft man bei Mischungen der
einzelnen Familienmitglieder daher auf Milligramm-Angaben.
Vitamin E wird normalerweise als Acetat oder Succinat angeboten, denn diese
kleine chemische Veränderung sorgt für ein stabiles Molekül. Es oxidiert dann
nicht von allein, ist temperaturstabiler und kann somit länger gelagert werden.
Während das alpha-Tokopheryl-Acetat schnell ins Blut übergeht, erreicht das
Succinat andere Gewebekompartimente und soll in der Krebstherapie überlegen
sein.
Vor allem Bioläden bieten „natürliches“ Vitamin E in Öl an. Diese
Vitamin-E-Variante neigt jedoch zur so genannten Autooxidation, d.h., sie
oxidiert bereits in der Flasche. In diesem Fall ist demnach der biologische
Inhalt allzu leicht verderblich. Dieser chemischen Reaktion kann man mittels
Softgels etwas entgegenwirken. Insider ziehen jedoch die kaltwasserlöslichen
Vitamin-E-Formen vor, auch weil man diese ohne zusätzliches Öl zu sich nehmen
kann. Es mag manchen Biofan wundern, dass die kaltwasserlöslichen und
industriell hergestellten Vitamin-E-Formen besser vom Organismus aufgenommen
werden und wegen ihrer Stabilität sicherer sind als beispielsweise Vitamin E aus
Sojaöl. Leider ist es auch doppelt so teuer wie Vitamin E aus Soja.
Äußerlich kann man den Unterschied daran erkennen, dass die
kaltwasserlöslichen Vitamin-E-Varianten (egal ob Succinat oder Acetat) ein
weißes Pulver sind, während Vitamin-E-Formen, die sich nicht in kaltem Wasser
lösen, ein zähes braunes Öl sind. Eine qualitativ gute Vitamin-E-Form ist z.B.
das natürliche D-alpha-Tokopheryl-Succinat. Die National Academy of
Sciences wies bereits 1997 darauf hin, dass sehr hohe dauerhafte Dosierungen
nur mit alpha-Tokopherol das gamma-Tokopherol verdrängen können. Man rät daher
Personen, die ständig sehr viel Vitamin E zu sich nehmen, die
gamma-Tokopherole ebenfalls zu supplementieren. Leider bieten nur wenige
Hersteller echte Vitamin-E-Mischungen an. Man erkennt dies an den auf dem
Etikett erwähnten Vitamin-E-Varianten: gamma-, delta-, alpha-, beta-Tokopherol.
Manche Verbraucher mischen aus Kostengründen das alpha-Tokopheryl-Succinat oder
-acetat mit einem gamma-Tokopherol-Produkt.
Aus einigen Studien geht hervor, dass Tokotrienol-Mischungen, wie sie
z.B. in Palmöl angetroffen werden, pro Milligramm bis zu 40-mal besser wirken
als Standard-alpha-Tokopherol, wenn es um die Senkung des Cholesterins geht, den
Schutz vor LDL-Oxidation und damit die arteriosklerotische Plaquebildung.
Bei den Dosierungsempfehlungen unterscheidet man derzeit (noch?) nicht nach
den einzelnen Familienmitgliedern. Wie bereits erwähnt empfiehlt die DGE um die
18 IE, das Berkeley Institut Dosierungen um die 400 IE. Bei gesunden
Personen sollen Dosierungen ab 100 IE das Infarktrisiko reduzieren. Personen mit
bereits vorhandenen Gefäßschäden nehmen oft zwischen 800 und 1.600 IE; sie
berufen sich dabei auf eine der ersten Untersuchungen (1940) der
Shute-Brüder. |