| Vitamin C dürfte – zu Recht – der bekannteste
Mikronährstoff sein. Ähnlich wie bei den Antioxidanzien allgemein streiten sich
die Vitaminverfechter mit den Vitamingegnern über Sinn, Dosierung,
Nebenwirkungen usw. Eben weil Vitamin C einen hohen Bekanntheitsgrad hat, lässt
sich fürtrefflich jeder Blödsinn in den Medien vermarkten. Stellvertretend für
die teilweise völlig unsachliche Diskussion in Sachen Mikronährstoffe soll an
dieser Stelle ausführlicher auf die diversen Argumente bei Vitamin C eingegangen
werden. Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, wenn das Für und Wider
jeder einzelnen Substanz unter die Lupe genommen werden würde.
Allgemein. Vitamin C gilt als Tausendsassa und ist an unzähligen
Stoffwechselprozessen beteiligt. Ein höher entwickeltes Leben (Bewegung),
Verstand und Bewusstsein ist ohne Vitamin C nicht denkbar. Dabei ist das Molekül
sehr einfach aus den überall anwesenden Grundsubstanzen Kohlenstoff, Wasserstoff
und Sauerstoff herzustellen und hat eine hohe Eigendynamik. Es ist müßig an
dieser Stelle auf die einzelnen Funktionen von Vitamin C einzugehen – es würde
Bücher füllen. Zwei große Aufgaben seien jedoch erwähnt: Es ist eine der
stärksten Waffen des Immunsystems und „jagt“ Krankheitserreger, Parasiten,
Viren, Mikroben und Freie Radikale (3). In unserer mentalen Physiologie ist
Vitamin C so fundamental beteiligt, dass Wohlbefinden und Glücksgefühle ohne
Vitamin C gar nicht stattfinden könnten.
Die Grundform von Ascorbin ist das Ascorbin-Ion, d.h. ein elektrisch
geladenes Teilchen. Normalerweise verbindet sich dies mit einem Wasserstoff-Ion,
was die bekannte Ascorbinsäure ergibt. Das Ascorbin-Ion bindet man gelegentlich
auch an andere Substanzen (Mineralien, Fette), wie z.B. Natrium oder Calcium,
was Natriumascorbat oder Calciumascorbat ergibt. Bindet man Ascorbin an Fett
(Palimitinsäure), dann wird daraus das fettlösliche Ascorbylpalmitat. All diese
Varianten ändern wenig an den Grundeigenschaften des Vitamin C, können jedoch
das Lösungsverhalten, pH-Wert des Urins und/oder die Bioverfügbarkeit (Galenik)
beeinflussen. Weil die reine Ascorbinsäure sehr sauer ist und in größeren Mengen
daher kaum vertragen wird, empfiehlt man gepufferte Varianten (Ascorbinsäure mit
Antacida gemischt) oder die nicht sauren Varianten wie Calciumascorbat oder
Acetylpalmitat.
Wegen seiner chemischen Ähnlichkeit zur – ebenfalls überall vorkommenden –
Glucose (Kohlenhydrate) kann der Organismus Vitamin C problemlos aus dieser
Grundsubstanz synthetisieren. Hierzu werden lediglich drei Enzyme benötigt.
(Fast) jedes Tier stellt auf diesem Weg sein Vitamin C nach Bedarf selbst her.
Hierin sieht man auch den Grund dafür, dass Tiere einige Erkrankungen, die im
Zusammenhang mit Vitamin C stehen, nicht kennen. Ein Wolf, ein Kaninchen, ein
Reh mag auf seinen winterlichen Streifzügen noch so frieren: Erkältung ist
den Tieren fremd. Sie produzieren in solchen Stresssituationen einfach Unmengen
an Vitamin C und powern ihr Immunsystem damit hoch. Katzen produzieren im
Normalzustand etwa 10 bis 15 g, Ziegen um die 15 g Vitamin C täglich. Ratten im
Stress synthetisieren gar bis zu 20 g (!) Vitamin C selbst. Bezogen auf das
Körpergewicht eine enorme Menge.
Aus ungeklärter Ursache ging einigen Tieren (Meerschweinchen, Rhesusaffen
usw.) und dem Menschen die Fähigkeit Vitamin C selbst herzustellen verloren. Dem
Menschen beispielsweise fehlt eines der drei benötigten Enzyme für die
Umwandlung von Glucose zu Vitamin C. Mensch und Meerschweinchen müssen ihr
Vitamin C daher aus der Nahrung (Obst/Gemüse) beziehen, während Hund und Katze
bestens ohne Zufuhr über die Nahrung auskommen, da sie es selbst herstellen
können.
a) Vitamin C wird vom Organismus kaum gespeichert und muss daher ständig
(Halbwertszeit 4 Stunden) zugeführt werden. Erst dann macht eine erhöhte Dosis
überhaupt Sinn. Prof. Linus Pauling (zweifacher Nobelpreisträger) ging als einer
der Ersten davon aus, dass hohe Dosierungen von Vitamin C Krebs verhindern
können. Das wurde seitdem in unzähligen Untersuchungen bestätigt. (1), (2).
b) Die marktübliche pure Form (Ascorbinsäure) ist preiswert und sehr sauer.
Fast immer führen hohe Dosierungen zu Übersäuerung des Magens. Hier helfen
Antazida (z.B. Rennie), die im Wesentlichen aus einem Gemisch von
Calcium(carbonat) und Magnesium(oxid) bestehen. Das kann man allerdings auch pur
kaufen, was den Geldbeutel schont. (Sparsam einsetzen, da es den pH-Wert der
Magensäure für die Vitamin-C-Aufnahme ungünstig beeinflussen kann; also nicht
mehr als notwendig.)
c) Man findet immer wieder den Hinweis, dass reines Vitamin C vom Organismus
(angeblich) schneller ausgeschieden, auf alle Fälle aber schlechter verwertet
wird als „natürliches“ Vitamin C. Dass die Begriffe „natürlich“ und synthetisch
(industriell) völlig an der Sache vorbeigehen, wurde bereits erläutert. Fakt
ist: Ein Vitamin C ist ein Vitamin C – egal wo es herkommt oder wie es
hergestellt wurde. Ein Vitamin-C-Molekül aus den Herstellungstanks der BASF ist
völlig identisch mit einem Vitamin-C-Molekül, das mühsam aus einem Apfel
synthetisiert wurde. Die Wahrheit: Würde man tatsächlich das „natürliche“
Vitamin C aus z.B. Obst synthetisieren, dann hätte dieses Vitamin-C-Molekül auf
dem Syntheseweg vom Apfel zum isolierten Molekül sehr viel „Chemie“ über sich
ergehen lassen müssen – und wäre sündhaft teuer. Abgesehen von dem Umstand, dass
der Mensch gar nicht so viel natürliche Quellen auftreiben könnte, wie Vitamin C
gebraucht wird …
Es wird in der Regel wortreich umgangen, dass mit dem Begriff „natürliches
Vitamin C“ Extrakte aus z.B. Acerola gemeint sind. In diesen Extrakten liegt
Vitamin C zusammen mit so genannten Bioflavonoiden vor. In der Tat steigern
Bioflavonoide die Wirkung des Vitamin C bis zum 20fachen. Derartige Extrakte
werden meistens teuer verkauft und hier muss der Verbraucher ein wenig rechnen,
ob sich der Erwerb solcher Produkte überhaupt lohnt. 100 g Acerola-Extrakt
enthalten um die 7% Vitamin C; oftmals weisen diese Extrakte jedoch mehr Vitamin
C auf (z.B. 17%). In solchen Fällen wurde dem Extrakt 10% industriell
hergestelltes Vitamin C zugesetzt. Das ist gesetzlich zulässig, dagegen ist auch
nichts einzuwenden, aber mit „100%iger Natur“ zu werben, geht an der Sache
vorbei.
Mehr noch. Es ist ebenfalls legal (und marktüblich), dass das Produkt
„natürliches Vitamin C“ zu 90% aus industriell gefertigtem und nur zu 10% aus
„natürlichem“ Vitamin C besteht. Es reicht dem Gesetzgeber eine geringe
Beimengung von 10% „natürlichem“ Vitamin C und schon darf der Produzent das
gesamte Produkt als „natürliches Vitamin C“ verkaufen. Es hat lediglich mit
Vermarktung zu tun, wenn man mittels juristischer Kniffe eine Sprachregelung
vermarktet, die in physiologischer Wirklichkeit keinen Sinn macht.
Solange man also vom Molekül des Vitamin C redet, gehen Unterscheidungen nach
natürlich vs. künstlich meilenweit an der Sache vorbei. Es sind die Mischungen
von Vitamin C mit Bioflavonoiden, die den Unterschied machen. Das wissen gute
Produzenten natürlich auch. Daher bieten viele Hersteller eben diese Mischungen
aus Vitamin C und verschiedenen Bioflavonoiden (z.B. Hesperidin) an. Gute
Vitamin-C-Mischungen weisen demnach mehrere Vitamin-C-Varianten (wasser-,
fettlöslich), diverse Bioflavonoide, gelegentlich kleine Mengen an
(Acerola-)Extrakten und benötigte Spurenelemente auf. Einen Vorteil haben diese
industriell gefertigten Mischungen auf alle Fälle: Sie unterliegen weitaus
schärferen (Rückstands-) Kontrollen als marktübliche Naturprodukte.
d) Allzu billige Vitamin-C-Produkte (z.B. China-Importe) können mit
Schwermetallen verunreinigt sein. Das ist nach dem Deutschen Arzneibuch (DAB)
sogar rechtlich zulässig. Wirklich reine Qualitäten kosten allerdings ein paar
Euro mehr. Als führend gilt hier die Firma ROCHE, die in erster Linie die
weiterverarbeitende Industrie beliefert.
Tipp: Die gewünschte Dosis Vitamin C über den Tag verteilen. Es wirkt umso
besser, je gleichmäßiger verteilt man es nimmt. Wem die preiswertere Pulverform
zu unbequem ist (Berufstätige), der kann die Substanzen selbst konfektionieren
(zu Kapseln verarbeiten, siehe auch Kapselgerät).
In einigen Produkten liegt Vitamin C in einer nicht sauren, pharmazeutisch
reinen Form vor, ergänzt mit Bioflavonoiden, Rutin, Hesperidin, diversen
Mineralien u.a. Letztere fördern die Bioverwertbarkeit im Organismus um ein
Vielfaches (wodurch die Produkte relativ gesehen wieder preiswert sind). Jeder
seriöse Wissenschaftler wird sich hüten eine Berechnung mit mehreren Unbekannten
durchzuführen, aber eine rechnerische Vermutung sei unter Vorbehalt
skizziert:
Wenn 1 g Vitamin C mit Bioflavonoiden (für z.B. 5,- Euro/g) schätzungsweise
20-mal besser wirkt als 1 g reines Vitamin C (für z.B. 1,- Euro/g), dann ist das
scheinbar teure Vitamin-C-Produkt in Wahrheit das erheblich preiswertere.
e) Um Kosten zu sparen, kann man Vitamin C auch kiloweise kaufen und selbst
mit Calcium/Magnesium mischen, um die (Ascorbin-)Säure zu neutralisieren. Auf
1.000 g Ascorbinsäure nimmt man ca. 300 g Calcium und 150 g Magnesium (ohne
Gewähr). Die Mischung kann man noch zusätzlich mit einem natürlichen Vitamin C
wie Acerola und Bioflavonoiden wie z.B. Hesperidin aufwerten. Es gilt auch für
Ascorbinsäure, was für alle Nährstoffe gilt: Die Zufuhr eines einzelnen
Nährstoffes in sehr hoher Dosierung sollte nur dann erfolgen, wenn ein
bestimmter Zweck (Therapie) verfolgt wird. Wer es sich leisten kann, sollte
abgestimmte Produkte vorziehen. Statt reiner Ascorbinsäure also besser ein
Produkt nehmen, das auch noch die Begleitstoffe (wie z.B. Flavonoide, Zink)
enthält.
Die große Auswahl an Vitamin-C-Produkten spiegelt den Stellenwert wider: von
reinem hochwertigem Vitamin C von z.B. ROCHE über gepufferte Varianten, mit
Bioflavonoiden abgestimmte Mixturen bis hin zu besonderen Darreichungsformen,
die bestimmte Allergien (z.B. gegen Zitrus) berücksichtigen.
Dosierung. Es gibt wohl kaum ein Streitpunkt, in dem die offizielle
Empfehlung (z.B. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE) so krass von der der
modernen Vitaminforschung abweicht. Die DGE hält Dosierungen um die 100 mg
Vitamin C für „ausreichend“. Die moderne Vitaminforschung sieht dies weitaus
differenzierter. Ihre Mengenangaben schwanken zwischen 1.500 mg und 18.000 mg
täglich. Während die DGE – entgegen landläufiger Meinung – ihre Empfehlungen
wissenschaftlich nicht belegen kann, hat die moderne Nahrungswissenschaft
sehr viele handfeste Beweise zu bieten.
An erster Stelle in der Beweisführung steht sicherlich die Plausibilität. Es
kann nämlich kein Wissenschaftler erklären, warum der Säuger Mensch erheblich
weniger Vitamin C brauchen soll als z.B. sein nächster Verwandter, der Säuger
Affe. Es gibt keinen Hinweis dafür, dass der Mensch in seinem Stoffwechsel so
stark von den anderen Säugern (5) abweichen soll, dass er auf Vitamin C (bis auf
kleinste Mengen) quasi verzichten kann. Es ist bis dato nicht mal der Hauch
eines Beweises erbracht worden, dass die menschliche Verstoffwechselung sich
grundlegend von anderen Säugern unterscheidet.
Im Gegenteil. Man stellt immer wieder fest, dass der Vitamin-C-Bedarf des
Individuums sehr unterschiedlich ist und eine pauschale Angabe demzufolge
schlicht Unsinn ist. Fest steht lediglich, dass eine drastische Erhöhung der
Vitamin-C-Zufuhr dem Menschen allgemein (6, 7, 8, 9, 10) sehr gut bekommt. Wobei
unterschieden werden muss, ob der Mensch sich gerade in einer Stresssituation
(Krankheit) befindet oder nicht.
Dr. Robert F. Cathcart führte in diesem Zusammenhang den Begriff Darmtoleranz
ein: jene Menge, bei der der Stuhlgang anfängt, weich zu werden (noch höhere
Dosierungen verursachen harmlosen Durchfall). Diese so genannte
„bowel-tolerance“ ist individuell sehr unterschiedlich und schwankt bei Gesunden
zwischen 1 und 20 g täglich. Bei akuten Krankheiten (z.B. Infektionen) steigt
diese Darmtoleranz auf 100–200 g (!) täglich. Cathcart stellte fest, dass bei
Erkrankungen sich der Zustand der Patienten erst dann besserte, wenn 80 bis 90%
der Vitamin-C-Menge zugeführt wurden, die der Darm tolerierte. Der Darm von
Gesunden toleriert 4 bis 15 g Vitamin C. Bei Erkrankungen (Grippe, Infektionen,
Krebs usw.) stieg die Toleranz teilweise auf 200 g (!) und mehr.
Das kann man übrigens selbst leicht überprüfen: Nehmen wir einmal an, dass
Sie normalerweise 5 g täglich vertragen (also ohne Durchfall zu bekommen), dann
können Sie im Krankheitsfall (z.B. Grippe) plötzlich erheblich mehr
zuführen. Laut Pauling ein Hinweis, dass der Organismus dieses Mehr im akuten
Fall braucht.
Diese frühe Studie von Cathcart wurde inzwischen mehrfach überprüft. Eine
Auswertung von 20 neueren Vitamin-C-Studien zeigt, dass bei einer bereits
eingetretenen Infektion die Vitamin-C-Dosis erheblich erhöht werden muss. Die
kritische Minimaldosis liegt im Krankheitsfall wahrscheinlich um die
5.000 mg. Sofern mindestens diese Tagesdosierung direkt ab Infektionsbeginn
eingenommen wurde, konnte die Krankheitsdauer um 25% verkürzt werden.
Eine Studie an 112 kanadischen Soldaten mit exakt gleichen Lebens- und
Arbeitsbedingungen ergab, dass die Gabe von 1.000 mg Vitamin C täglich die
Erkältungshäufigkeit im Vergleich zur Kontrollgruppe um fast 70% verringerte
(Bland, J.: Vitamin C. The Future is now. New Canaan: Keats Publishing 1995,
16-17).
Aus der Gesamtsumme ähnlicher Studien schlussfolgert man heute einen
täglichen Durchschnittsbedarf an Vitamin C um die 3.000 mg täglich. Mit
erheblichen individuellen Schwankungen nach oben und unten. Da eine toxische
Obergrenze bei Vitamin C nicht bekannt ist, braucht man sich über ein „zu viel“
keine Gedanken zu machen.
Nomenklatur
Vitamin C wird unter verschiedenen Namen bezw. chemischen Varianten
angeboten. Bei der Ascorbinsäure handelt es sich um die wasserlösliche
reine und sehr saure Form. Mit Ascorbat: ist die nicht saure, meist mit den
Mineralien Calcium, Magnesium, Zink usw. verbundene, Vitamin-C-Variante gemeint.
Der so genannten Ester-C-Form sagt man eine bessere Bioverfügbarkeit und eine
längere Verweildauer im Organismus nach. Das Ascorbylpalmitat: ist die
fettlösliche Form von Vitamin C. Während die wasserlösliche Ascorbinsäure im
wässrigen Milieu aktiv ist, wirkt die fettlösliche Form z.B. an den fettigen
Zellmembranen und schützt hier vor Lipidperoxidation. Manche Konsumenten fügen
ihrem Öl beim Kochen übrigens etwas Ascorbylpalmitat hinzu, um es vor Oxidation
zu schützen. (Kapseln werden in diesem Fall geöffnet.)
Nierensteine durch Vitamin C?
Einer der vielen Mythen zur Diskreditierung des Vitamin C betrifft die
regelmäßig kolportierte Gefahr, dass Vitamin C Nierensteine verursachen könne.
Woher diese Erkenntnis stammt, weiß allerdings niemand, denn eine ernsthafte
Studie über diese Gefahr gibt es überhaupt nicht. Soweit es überhaupt
nachvollziehbar ist, hat diese Mär ihren Ursprung vermutlich in einer Hypothese
(Chamers, 1975), die in der einschlägigen Literatur unter Kokelores &
Kalauer läuft. Mehrere Studien (u.a. 8), die dem Verdacht auf Nierensteine
nachgingen, konnten nichts feststellen. In einer dieser Untersuchungen stellte
man fest: Die Behauptung, dass Vitamin C Nierensteine verursachen könne, „stammt
aus einem anekdotischen Bericht über eine kleine Anzahl von Fällen und von einem
schlecht kontrollierten Versuch mit nicht beschriebener Methodologie und
fragwürdigen Testmethoden“ (J. W. Piesse, Nutritional Factors in calcium
containing kidney stones with particular emphasis on Vitamin C, Int. Clin.
Nutri. Rev. 5 (3): 110-129, 1985).
Die – rein theoretische – Überlegung, ob Vitamin C möglicherweise die Bildung
von Nierensteinen fördern könnte, ist ohnehin nur für jenen Teil der Bevölkerung
von Bedeutung, bei dem eine (genetische) Veranlagung vorliegt. Das sind maximal
10%. Bei den Nierensteinen unterscheidet man nach Calciumphosphat-,
Magnesium-Ammonium-Phosphat-, Calcium-Car-bonat- und Calcium-Oxalat-Steinen.
Lediglich Calcium-Oxalat-Steine bilden sich in einem sauren Milieu, was durch
hohe Vitamin-C-Einnahmen theoretisch gefördert werden könnte. Wie gesagt,
es gibt hierzu keine Beweise. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann den
pH-Gehalt des Urins kontrollieren und zu sauren Urin mit basischen Mineralien
neutralisieren. Alle anderen Nierensteine bilden sich im basischen Milieu und
hier wäre die Einnahme hoher Vitamin-C-Dosierungen sogar empfehlenswert. Sofern
man die Nierenstein-Hypothese als richtig voraussetzt.
Krebs und Vitamin C
Bei der von der Presse ausführlich breitgetretenen Meldung, wonach bereits
Mengen ab 500 mg Vitamin C täglich erbschädigend sein sollen, handelt es sich
u.a. um eine Untersuchung der Universität Lancaster und um unvergorene
Halbwahrheiten. Tatsächlich wurde genau das Gegenteil festgestellt,
nämlich dass es die Erbmasse schützt, wie auch u.a. das Fraunhofer-Institut
bestätigte.
Wäre auch nur ein Fünkchen Wahrheit an dieser Meldung, dann gäbe es die
Menschheit schon längst nicht mehr. Vegetarier nehmen im errechneten
Durchschnitt weitaus mehr als jene angeblich kritischen 500 mg Vitamin C zu
sich. Linus Pauling eruierte, dass der Urmensch mindestens das 40fache unserer
heutigen Vitamin-C-Menge zu sich nahm.
Es gibt inzwischen sehr viele Studien, die unzweifelhaft eine positive
Wirkung von hohen Vitamin-C-Dosierungen auf Krebs nachgewiesen haben.
Beispielhaft sei hier auf eine als „Vale of Leven“ bekannte Studie hingewiesen.
In dieser Untersuchung gab man Krebspatienten, deren weitere Behandlung aus
schulmedizinischer Sicht als aussichtslos galt, täglich ca. 10 g Vitamin C. Man
verglich mit rund 1.000 Patienten, die vergleichbare (aussichtslose) Krebsleiden
hatten und nicht mit Vitamin C behandelt wurden: Nach etwa 100 Tagen lebten nur
noch 15% der unbehandelten und 60% der mit Vitamin C behandelten Gruppe. Dieses
Ergebnis wurde seitdem mehrfach bestätigt (u.a. Morisighe und Murata, Japan,
1979). Man beachte übrigens die Jahreszahlen vieler Studien: Es handelt sich
keineswegs um neue Erkenntnisse. Es ist völlig unverständlich, dass die
Vitamin-C-Therapie bei Krebs nicht schon längst Standard ist.
Aus der Vielzahl weltweiter Studien zum Thema Vitamin C (im Text in Klammern)
seien nachstehend ein paar Beispiele näher erläutert.
(1) Vitamin C reduziert das Sterberisiko
signifikant.
In dieser Untersuchung wurden 19.496 männliche und weibliche Probanden
zwischen 45 und 79 Jahren auf einen Zusammenhang zwischen
Vitamin-C-Konzentration im Blut und Sterblichkeit überprüft. Dabei wurde sowohl
die Sterblichkeit im Allgemeinen als auch im Besonderen (cardiovaskuläre und
ischämische Krankheiten und Krebs) untersucht. Der Beobachtungszeitraum betrug 4
Jahre. Die Probanden wurden klinisch untersucht und mussten Fragen zu Nahrungs-
und Lebensgewohnheiten beantworten. Die Vitamin-C-Serumkonzentration wurde 4
Jahre lang mit den Todesursachen verglichen.
Bei der Gruppe mit der höchsten Vitamin-C-Konzentration war das allgemeine
Sterberisiko 50% geringer als bei der Gruppe mit der niedrigsten
Vitamin-C-Konzentration. Die Risikoabnahme (mehr Vitamin C, weniger
Sterberisiko) war bei jeder Vitamin-C-Konzentration zu beobachten und galt auch
für die speziell untersuchten cardiovaskulären und ischämischen Erkrankungen
sowie für Krebs bei Männern. Innerhalb der 4-Jahres-Periode war jedoch keine
Risikoabnahme für Krebs bei Frauen festzustellen. Die Forscher vermuten, dass
dies mit den unterschiedlichen Typen von Krebs bei Männern und Frauen zu tun
haben könnte.
Rechnerisch wurde ermittelt, dass jede Extraportion Obst/Gemüse das
Sterberisiko um 20% reduzierte. Cambridge University, England (veröffentlicht
in Lancet, März 2001/S. 657-663)
(2) Hohe Vitamin-C-Werte senken die
Todesrate.
In einer europaweiten Studie wurden 20.000 männliche und weibliche Probanden
zwischen 45 und 79 Jahren bezüglich ihres Vitamin-C-Spiegels untersucht, in 5
Gruppen eingeteilt und die Todesfälle über einen Zeitraum von 4 Jahren
ausgewertet. Die 1. Gruppe hatte die höchsten Vitamin-C-Werte, die 5. Gruppe die
niedrigsten. Nach 4 Jahren war die Todesrate in Gruppe 1 (2,6 %) nur halb so
hoch wie in Gruppe 5 (5,2%). Berücksichtigte man nur die Todesfälle durch
Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden die Unterschiede noch deutlicher: Die
Todesraten waren hier bei Männern der Gruppe 1 um 70% und bei Frauen um 60%
niedriger als in der Gruppe 5. Universität Cambridge (veröffentlich in Lancet
Februar/2001)
(3) Vitamin C senkt Erkältungshäufigkeit um 68%.
112 kanadische Soldaten mit exakt gleichen Lebens- und Arbeitsbedingungen:
Die Gabe von 1.000 mg Vitamin C täglich verringerte die Erkältungshäufigkeit um
fast 70% im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bland, J.: Vitamin C. The Future is
now. New
Canaan: Keats Publishing 1995, S. 16-17.
(4) Vitamin C verursacht keine
Nierensteine.
Hierbei ging es um die Klärung, ob vermehrte Vitamin-C-Zufuhr das Risiko von
Nierensteinen tatsächlich erhöht – wie gelegentlich behauptet wird. Man
untersuchte 14 Jahre lang die Daten von 85.557 Frauen. Frauen, die 1.500 mg oder
mehr Vitamin C täglich zu sich nahmen, hatten kein höheres Risiko
Nierensteine zu bekommen als Frauen, die weniger als 250 mg Vitamin C zu sich
nahmen. Während zwischen Vitamin C und Nierensteinen demnach kein Zusammenhang
ersichtlich war, wurde dieser für Vitamin B6 wohl festgestellt. Bei
Frauen, die täglich 40 mg oder mehr Vitamin B6 zu sich nahmen,
verringerte sich das Nierensteinrisiko um 34% verglichen mit Frauen, die weniger
als 3 mg Vitamin B6 zuführten.
Zum Vergleich: Die DGE empfiehlt um die 1,2 mg Vitamin B6
(Pyridoxin) für Frauen.
HarvardMedicalSchool
(Journal of the American Society of Nephrology, April, 1999)
(5) Vitamin-C-Mangel verursacht Gefäßschäden und
erhöht
Cholesterin.
Bei Mäusen wurde die eigene Vitamin-C-Synthese durch Genmanipulation
inaktiviert; sie waren danach wie der Mensch auf Vitamin-C-Zufuhr angewiesen.
Sie erhielten normales Futter. Nach 2 Wochen war ihr Vitamin C-Spiegel auf 10%
des Normalwertes gesunken. Der Mangel bewirkte eine Erhöhung des Cholesterin
(HDL-Anteil sank sogar), an den elastischen Schichten der Blutgefäße entstanden
Risse, es kam zu Wucherungen an den Gefäßmuskelzellen und Zellabschuppung an der
Gefäßinnenwand. Laut Untersucher lassen sich die Ergebnisse auf den Menschen
übertragen. University of North Carolina und University of Texas Health
Science Center, Proceedings of the National Academy of Sciences, Bd. 97, S.
841
(6) Vitamin-C-Zufuhr (500 mg) senkt Blutdruck um
9%.
An der Studie nahmen Patienten mit erhöhtem Blutdruck teil (über 140/90 mm
Hg). Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo. Die Versuchsgruppe erhielt einen
Monat lang 500 mg Vitamin C täglich. In dieser Gruppe sank der Blutdruck um
durchschnittlich 9% – vergleichbar mit dem therapeutischen Effekt
blutdrucksenkender Medikamente. Boston University School of Medicine und
Oregon State University, The Lancet, Nr. 9195
(7) Vitamin C senkt Risiko einer EPH-Gestose um
50%.
Bis zu 20% der schwangeren Frauen bekommen im letzten Schwangerschaftsmonat
eine EPH-Gestose (Ödeme, erhöhte Eiweißausscheidung, Bluthochdruck mit als
mögliche Folge Eklampsie, ähnlich wie Epilepsie, das Leben von Mutter und Kind
gefährdet). Jede zweite Frühgeburt ist auf EPH-Gestose zurückzuführen. Bei einer
Untersuchung erhielten schwangere Frauen mit erhöhten EPH-Gestose-Risiko 1.000
mg Vitamin C und 400 IE Vitamin E. In dieser Versuchsgruppe entwickelten 8% der
Frauen eine EPG-Gestose; in der Placebo-Kontrollgruppe waren es 17%. St.
Thomas Hospital, London
(8) Vitamin C verlängert
Lebenserwartung.
Es wurden 11.348 Probanden über einen Zeitraum von 10 Jahren untersucht. Man
verglich die Vitamin-C-Zufuhr u.a. mit der durchschnittlichen Lebenserwartung.
Es wurde festgestellt, dass Probanden, die täglich 800 mg Vitamin C zu sich
nahmen, durchschnittlich 6 Jahre länger lebten als jene, die 60 mg täglich zu
sich nahmen. Das Risiko an cardiovaskulären Erkrankungen zu sterben sank dabei
um 42%. UCLA (Journal of Epidemiology, 1992; 3 (3): S. 194-202)
(9) Vitamin C/E senken das
Kataraktrisiko.
Es wurden die Daten von über 3.000 Probanden zwischen 43 und 86 Jahren
verwendet. Personen, die mehr als 10 Jahre lang ein (US-)Multivitamin zu sich
nahmen, das Vitamin E oder C enthielt, reduzierten das Kataraktrisiko um 60%.
Diese Risikoverminderung war unabhängig von anderen bekannten Risiken wie Alter,
Gewicht, Tabak, Alkohol, Diabetes. Die Supplementierung mit Multivitaminen
weniger als 10 Jahre führte hingegen nicht zu einer Risikoherabsetzung. Das
überrascht nicht, weil die Proteindegradierung im Auge ein langfristiges
Geschehen ist. Studie (Archives of Ophthalmology, 2000, 118: S.
1556-1563)
(10) Hohe Vitamin-C-Werte senken Krebsrisiko um
50%.
Auftraggeber Nationales Krebs-Forschungsinstitut, USA: 47 klinische Studien
zu Vitamin C wurden ausgewertet. 34 davon zeigten, dass bei Teilnehmern mit
hoher Vitamin-C-Konzentration im Blut das Krebsrisiko um 50% geringer war.
Block, G: Vitamin C and cancer prevention: The epidemiological evicendce. A.
J Clin Nutr 1991; 53: S. 270-282
Natürlich kann nicht jedes Vitamin auf ein derart umfassendes
naturwissenschaftliches Fundament wie Ascorbinsäure verweisen. Es gibt zurzeit
(11/2002) weltweit etwa 2.700 anerkannte wissenschaftliche Studien allein zu
Vitamin C. Aber es sagt alles über die so genannten „Experten“ aus, die
scheinheilig behaupten, dass man noch nicht genug wisse … |