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Folsäure (auch altertümlich Vitamin M) gehört zu den B-Vitaminen und rangiert an Bedeutung gleich neben dem weitaus geläufigeren Vitamin C. Die verarbeitete Form nennt sich Folsäure, die „Urform“ Folat oder Folacin. Bekannt wurde Folat erst mit der Entdeckung, dass ein Mangel bei Schwangeren zu Fehlbildungen (Spina bifida, Anencephalie) bei Neugeborenen führen kann. Diese Missbildungen sind für das Kind eine schwere Behinderung und können sogar tödlich sein. Sie treten bereits in den ersten Tagen oder Wochen der Schwangerschaft auf, also bevor eine Frau überhaupt weiß, dass sie in anderen Umständen ist. Die heute oftmals übliche Folsäure-Ergänzung bei Schwangeren ist Augenwischerei, weil sie zu spät kommt. Daher rät der öffentliche Gesundheitsdienst der USA seit 1992 jeder Frau im gebärfähigen Alter täglich wenigstens 400 bis 600 mcg Folsäure zu sich zu nehmen. Weil die Regierung der Vereinigten Staaten sich nicht auf die Einsicht der amerikanischen Frauen verlassen wollte, wurden ab 1998 die Hersteller von Getreideprodukten dazu aufgefordert ihre Produkte dergestalt anzureichern, dass der Bürger 400 mcg Folat täglich zu sich nimmt. Seit dieser Zeit sind die Missbildungen bei Kindern um 25% (ca. 4.000) zurückgegangen.

Inzwischen weiß man, dass Folat bzw. Folsäure weitaus mehr kann.

Im Zusammenhang mit Schwangeren wurde ferner festgestellt, dass bei ausreichend Folat die Anzahl der Spontanaborte abnimmt und sich seltener Bluthochdruck entwickelt. Letzteres gilt nicht nur für schwangere Frauen. Es wird seit geraumer Zeit vermutet, dass erhöhte Homocysteinspiegel im Blut ein Risikofaktor für das Herz sind. Folat verwandelt, zusammen mit Vitamin B6 und B12, das Homocystein zu einer (harmlosen) Aminosäure um. Insbesondere ein Mangel an Folat kann zur Anreicherung des Homocysteins führen, die Blutgefäße schädigen und letztendlich zu einem Herzinfarkt führen. Die erhöhte Zufuhr von Folsäure soll laut einigen kleineren Studien sogar Blutgefäßfunktionen bei bereits vorhandenen Herzkrankheiten verbessern. Menschen, die besonders viel Folat zu sich nehmen, haben ein niedrigeres Schlaganfall- und Herzrisiko als jene, die wenig Folat zu sich nehmen.

Folat ist für eine gesunde Zellteilung (Fruchtbarkeit, Nachkommen) wichtig. Es ist am Eiweißstoffwechsel, der Herstellung von Erbinformationen und an der Blutbildung beteiligt. Das scheint auch für Krebs zu gelten: Folat behindert offenbar gleichzeitig die ungesunde Zellteilung. Es gibt ernst zu nehmende Hinweise darauf, dass ein hohe Folatzufuhr das Risiko sowohl für Kolon-, Brust- als auch Gebärmutterhalskrebs senkt. Es wäre plausibel, wenn dies auch für andere, noch nicht näher untersuchte Krebsarten gilt.

Obst, grüne Gemüse und Weizenkeimlinge sind an sich gute Quellen für Folat und bereits eine Tasse Bohnen sollte etwa 200 bis 300 mcg Folat enthalten. Theoretisch jedenfalls, denn wie an anderer Stelle erwähnt, enthält unser Obst und Gemüse längst nicht mehr das, was ihm in Lehrbüchern unterstellt wird. Darüber hinaus übersteht Folat lange Erwärmung nicht unbeschadet. Vor allem bei Kantinenessern gilt es daher als Mangelsubstanz. Während Schwangerschaften, bei Einnahme der Antibabypille und bei Alkoholtrinkern ist der Bedarf erhöht. Im Zusammenhang mit Rauchen wurde ein ständiger Folsäuremangel entdeckt; eine Ergänzung wird den Rauchern neuerdings sehr ans Herz gelegt. Eine überraschende Entdeckung (Scientific American) ist, dass ultraviolette Strahlung, also Sonnenbaden, vor allem bei Hellhäutigen durch die Haut dringt und im Blut das Folat zerstört.

Folsäure wird daher schon länger therapeutisch eingesetzt bei z.B. Lebererkrankungen, Blutarmut, Alkoholismus.

Die meisten Nahrungsergänzungspräparate enthalten 400 mcg Folsäure, also die Mindestdosierung. Der NEM-Mix der Life Extension Stiftung enthält 800 mcg, obwohl die Stiftung 1.600 mcg täglich empfiehlt (und daher zu einer zusätzlichen Ergänzung von 800 mcg rät). Die Menge von 1.600 mcg kollidiert jedoch mit der amerikanischen Gesundheitsbehörde, die eine    Obergrenze von 1.000 mcg täglich festgelegt hat. Das liegt nicht etwa daran, dass höhere Dosierungen in irgendeiner Form die Gesundheit beeinträchtigen, sondern weil höhere Zufuhren reiner Folsäure einen Mangel an Vitamin B6 oder Vitamin B12 verdecken könnten. Gute Folsäureergänzungs-Präparate werden daher gleichzeitig, rein vorsorglich, Vitamin B12 enthalten.

Zur Unbedenklichkeit von extrem hohen Dosierungen liefert Brody et. al.1992 (Vitamin-Lexikon) ein paar Fakten. Dosierungen von 400.000 mcg über 5 Monate hinweg oder 10.000 mcg über 5 Jahre wurden ohne Nebenwirkungen vertragen.

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