| Nach Informationen der Arbeitsgemeinschaft der
wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) leiden mehr als
10% der Gesamtbevölkerung an depressiven Störungen. 2 bis 7% der depressiven
Erkrankungen gelten als unbedingt behandlungsbedürftig. Das Risiko eines
Menschen, im Laufe seines Lebens an einer Depression zu erkranken
(Lebenszeitprävalenz), liegt bei 7 bis 18%; andere Quellen sprechen von 20 bis
30%. Nach Schätzungen der WHO (World Health Organisation) leiden 3 bis 5%
der Weltbevölkerung an Depressionen.
Depressionen werden inzwischen als eine regelrechte Volksseuche gesehen.
Obwohl die Depression demnach eine recht häufige Erkrankung ist, werden die
Symptome oft nicht richtig erkannt. Nach internationaler Klassifikation
unterscheidet man Depressionen nach deren Verlaufsform und Schweregrad. Das
fängt an mit der depressiven Episode über Dysthemia bis hin zu psychogenen,
endogenen, somatogenen, larvierten oder organischen Depressionen. Die krankhafte
Depression ist nicht zu verwechseln mit einer vorübergehenden Traurigkeit nach
z. B. dem Verlust einer geliebten Person. Letztere Form der Traurigkeit ist
vielmehr eine angemessene und gesunde Reaktion.
Die vorübergehende Traurigkeit ist kein Zustand, den es zu „heilen“ gilt,
sondern eine Fähigkeit des Menschen, sich mit Rückschlägen auseinander zu
setzen. Bei normaler Traurigkeit kommt der seelische Trauerprozess irgendwann zu
einem Ende und der Mensch kann sich seinem Leben wieder optimistisch und
zukunftsgerichtet widmen. Der Akzent liegt hierbei auf der zeitlichen
Befristung. Erst wenn die betroffene Person über Jahre hinweg noch in der Form
trauert, wie es bei einem akuten Ereignis verständlich wäre, liegt
möglicherweise ein Hinweis auf eine Depression vor. Auch wenn die Traurigkeit
sich nicht auf ein konkretes Ereignis zurückführen lässt und von den Betroffenen
als unmotiviert und nicht nachvollziehbar empfunden wird, stellt sich die Frage
nach einer krankhaften Depression.
Depression ist eine Gemütskrankheit, verbunden mit Angstzuständen, innerer
Unruhe, Denk- und Schlafstörungen. Depressive sind praktisch unfähig sich zu
freuen und haben Mühe selbst einfachste Entscheidungen zu treffen. Diese
Gemütskrankheit zieht oftmals hartnäckige körperliche Beschwerden nach
sich.
Vereinfacht ausgedrückt, lässt sich eine tiefe Traurigkeit auf ein konkretes
Ereignis wie z.B. den Tod einer geliebten Person zurückführen, während die
Ursache bei einer echten Depression eher diffus bleibt, möglicherweise von einem
traumatischen (verdrängten) Kindheitsereignis genährt wird. Aber die Grenzen
sind fließend und Selbstdiagnosen heikel.
Gelegentlich wird hierbei auch die Frage diskutiert, inwiefern die sozialen
Strukturen unserer „Spaßgesellschaft“ dazu beitragen, dass traumatische
Lebensereignisse nicht vollständig verarbeitet werden. Die „Unfähigkeit zu
trauern“ (A. Mitscherlich) kann zu unbewältigten Lebenskrisen führen, die ein
Leben lang unter der Haut gären. Das bei Depressiven oftmals zu beobachtende
Kreisdenken, die dabei empfundene Ausweglosigkeit, das Unverständnis der Umwelt
könnten der „Königsweg“ in die Depression sein. Je nach Schweregrad zieht die
psychische Dauerbelastung mehr oder weniger folgenschwere körperliche
Erkrankungen nach sich. Der Suizid drängt sich als Lösung nach vorne.
Schwere und mittelschwere Depressionen bedürfen der Einweisung in eine darauf
spezialisierte Klinik. Da meistens eine monatelange Behandlung erforderlich ist,
die Kosten entsprechend hoch sind, bemühen sich die entsprechenden Institute um
eine Zulassung bei den Krankenkassen. Die Kassen sind wiederum schulmedizinisch
ausgerichtet, wodurch sich die Kliniken psychiatrisch orientieren müssen. Das
läuft auf eine systembedingte Einschränkung des therapeutischen Angebots hinaus.
Bei der Behandlung von Depressionen liegt der Akzent daher allzu oft bei einer
vorwiegend medikamentösen Therapie. Das mag in akuten Fällen (Suizidgefahr)
gerechtfertigt sein, scheint auf Dauer jedoch eher fragwürdig.
Die Verwendung von Antidepressiva, Neuroleptika u.a. bei Depressionen ist in
psychiatrischen Einrichtungen quasi Standardtherapie.
Zu den medikamentösen Antidepressiva gehören
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, MAO-Hemmer, tri- und tetrazyklische
Antidepressiva. Die angstlösende, stimmungsaufhellende und antriebsfördernde
Wirkung setzt erst nach 10 bis 14 Tagen ein. Sie sollen über 6 bis 12 Monate
eingenommen werden.
Die ebenfalls häufig eingesetzten Neuroleptika unterscheidet man im
Wesentlichen nach hoch- und niederpotenten Neuroleptika. Beide wirken
beruhigend, fördern den Schlaf und ordnen Denken und Wahrnehmung. Sie sollen
darüber hinaus das Wiederauftreten der akuten Krankheit vermeiden. Neuroleptika
sollen wenigstens ein bis zwei Jahre nach einer akuten Phase eingenommen werden.
So lautet jedenfalls die Ansicht mancher Psychiatrie.
Sowohl die medikamentösen Antidepressiva als auch die Neuroleptika haben
teilweise recht unangenehme Nebenwirkungen. Das Dosierungsfenster ist bei allen
Psychopharmaka sehr klein, d.h., es ist schnell über- bzw. unterdosiert. Das
Suchtpotenzial soll bei den neueren Medikamenten verschwindend gering sein.
Die Neigung von Ärzten, allzu schnell synthetische Antidepressiva zu
verschreiben, ist Gegenstand kritischer Diskussionen. Es ist fraglich, inwiefern
es Sinn macht, psychische Störungen gleich, und oftmals ausschließlich,
medikamentös zu behandeln. Der Vorwurf, dass die Betroffenen damit lediglich
chemisch kaltgestellt werden, und das oftmals auf Lebenszeit, ist nicht von der
Hand zu weisen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Kriterien der
Kostenübernahme durch die Kassen den therapeutischen Weg bestimmen. Die
eigentliche Bewältigung der Lebenskrise durch Psychotherapie, -analyse und
ähnliche Maßnahmen scheint in schulmedizinisch ausgerichteten Kliniken eher zu
kurz zu kommen. Bewährt hat sich die Kombination von stimmungsaufhellenden
Medikamenten bei gleichzeitiger psychotherapeutischer Behandlung.
Natürliche Alternativen
Nachstehende Anregungen beziehen sich auf leichte Depressionen (aus
psychiatrischer Sicht). Das vordergründige Ziel ist es, nicht weiter in die
Talsohle „abzurutschen“. Das eigentliche Ziel sind die Klärung der Ursache und
die Bewältigung („Heilung“). Das könnte im konkreten Fall z.B. die
psychotherapeutische Aufarbeitung eines tragischen Ereignisses (Todesfall,
Trennung) sein.
Es wird schon lange vermutet, dass auch die Ernährung an der
krankhaften Entwicklung einer Depression beteiligt ist. Mängel an
bestimmten Nährstoffen können durchaus alleinige Ursache für einen allgemein
depressiven Zustand sein. Darüber hinaus gibt es sehr konkrete Hinweise, dass
psychische Belastungen zu erhöhtem oxidativen Stress führen, also einem
Mehrverbrauch an Antioxidanzien. Insofern rät man generell dazu, etwaige Mängel
durch die Einnahme guter, breit gefächerter Nahrungsergänzungsmittel
auszugleichen. In manchen Fällen mag diese Maßnahme bereits genügen. Wo dies
nicht ausreicht, sollte man zusätzlich einen, mehrere oder gar alle der
nachfolgend aufgeführten Wirkstoffe probieren.
Vor allem aber gehen Depressionen einher mit Erschöpfungszuständen, die
wiederum eine aktive Bewältigung der Krise behindern. Wer bei bestimmten Themen
permanent in Weinkrämpfe ausbricht, ist kaum noch in der Lage etwas zur
Bewältigung beizutragen. Insofern macht es Sinn die betroffene Person auf ein
innerlich stabiles Fundament zu stellen, um von dort aus die Kraft für eine
Auseinandersetzung zu bekommen. Hierbei haben sich bestimmte Nährstoffe als
hilfreich erwiesen.
Basismikronährstoff („Multivitamin“) Hochdosierte Basismikronährstoffe
bilden auch hier gewissermaßen das Fundament für die zielgerichteten
nachstehenden weiteren Ergänzungen.
S-Adenyl-Methionin (SAMe) SAMe gilt derzeit als der wirksamste
Antidepressor. Es ist ein natürlicher körpereigener Wirkstoff, der praktisch in
jeder Zelle zu finden ist. Entsprechend gering sind die Nebenwirkungen, wenn man
überhaupt von solchen sprechen will, denn im Grunde handelt es sich um positive
Begleiterscheinungen wie verbesserte kognitive Funktionen, Schutz des
Leberstoffwechsels und wahrscheinlich allgemeine Verlangsamung des
Alterungsprozesses. SAMe ist leider etwas teurer. Die in der Literatur
empfohlene Dosis reicht von 400 bis 1.600 mg täglich. Die Wirkung setzt schnell
ein.
Johanniskraut Dieses alte Haus-mittel verdient höchste Aufmerksamkeit,
weil es sich als genauso wirksam wie manches synthetische Antidepressivum
erwiesen hat, jedoch ohne deren Nebenwirkungen. Anwendbar ist es bei leichteren
bis mittleren Depressionen. Das pflanzliche Produkt ist im Vergleich zu
synthetischen Produkten verträglicher, macht nicht abhängig, verstärkt die
Alkoholwirkung nicht und vermindert den Anteil des REM-Schlafes nicht. Für die
Selbstmedikation ist es daher ideal geeignet. Man vermutet, dass die
antidepressive Wirkung zum einen auf den Wirkstoff Hypericin, zum anderen
möglicherweise aber auch auf die verstärkte Photosensibilisierung
(Lichtdurchlässigkeit) zurückzuführen ist. Hierdurch würde die körpereigene
Melatoninproduktion wieder angeregt, was vor allem bei den Winterdepressionen
von Bedeutung zu sein scheint. Ob Sie lieber Kapseln nehmen oder
Johanniskrauttee trinken, bleibt Ihnen überlassen. Da die Wirkstoffe beim Tee
stark verdünnt werden, ist hier die Wirkung entsprechend geringer. Als normale
Tagesdosis gilt 1 bis 2 mg Hypericin (das entspricht etwa 300 bis 600 mg
Johanniskraut auf 0,3% Hypericin standardisiert). Wegen der
Photosensibilisierung kann bei empfindlichen Personen das Sonnenbrandrisiko
(leicht) erhöht sein. Die Wirkung setzt meist erst nach einer gewissen Zeit (bis
zu 6 Wochen) ein.
Procain (KH3) Bei diesem frei verkäuflichen Medikament stehen
die Effekte des Procain im Vordergrund. Im normalen Dosierungsbereich (siehe
Herstellerangaben) hat es praktisch keine Nebenwirkungen, ist recht preisgünstig
und wird von manchen Betroffenen als wirkungsvoll bezeichnet.
Carnitin Die Aminosäure Carnitin (auch Acetyl-L-Carnitin) wird von
einigen Betroffenen als sehr effektiv empfunden. Die empfohlene Dosierung liegt
bei 4 x 500 mg täglich. Carnitin gilt als „Fettsäureschlepper“; es verbessert
zudem die kognitiven Fähigkeiten und soll allgemein alterungshemmende Effekte
haben.
Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid (NADH) NADH trägt zwar den
Namensbestandteil Nikotin, hat jedoch mit dem Tabakgift nichts zu tun. Diese
Substanz steigert die Energie der Hirnzellen und kann bei manchen Betroffenen ab
5 bis 10 mg pro Tag spürbare Besserung bringen.
Phenylalanin Dieser Wirkstoff gilt als effektive Möglichkeit, um
die Endorphin-Werte im Gehirn zu erhöhen. Dadurch hilft er auch bei
Depressionen. Die empfohlene Dosierung liegt - bezogen auf den reinen
Wirkstoff - bei 2 x 500 mg täglich (vorzugsweise morgens und nachmittags auf
leeren Magen einnehmen). Phenylalanin wird jedoch nicht von allen Personen
vertragen: Personen mit Bluthochdruck sollten ihre Werte im Auge behalten.
Personen mit Phenylketonurie sollten besser die Finger davon lassen; auch
Krebspatienten wird die Einnahme abgeraten (weil die Krebszellen sich vermehren
könnten). Vor allem bei Phenylalanin empfiehlt sich die gleichzeitige Einnahme
von Basisnährstoffen.
Tyrosin Eine Alternative zu Phenylalanin kann die Aminosäure Tyrosin
sein. Wenn Phenylalanin (nach einigen Wochen) keine Wirkung zeigt, dann kann man
es mit der gleichen Dosierung Tyrosin probieren.
Winterdepression
Eine Sonderform der Depression ist die saisonal bedingte Depression, auch
Winterdepression oder Saisonale Depression (Seasonal affective disorder: SAD)
genannt. Wenn die Tage kürzer werden und wir demzufolge weniger Sonnenlicht
aufnehmen können, reagieren manche Menschen mit einer „Weltuntergangsstimmung“.
Man geht davon aus, dass der Verlust des Sonnenlichts in der „dunklen
Jahreszeit“ zu biochemischen Veränderungen im Gehirn führt, die Depressionen
auslösen können. Die beste „Therapie“ besteht in möglichst viel Bewegung an der
frischen Luft. Auch Versuche mit einer „Lichttherapie“ (der Patient wird mit
hellen Lampen bestrahlt) erzielten zuletzt gute Erfolge. In manchen Fällen hilft
auch das Hormon Melatonin. Allerdings muss man wissen, dass dieses Mittel nicht
von allen Depressiven gleich gut vertragen wird. In diesem Fall ist das Mittel
abzusetzen. |