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Für fast jede in diesem Buch genannte Substanz und/oder Substanzkombination gibt es verschiedene Fertigprodukte im Handel. In den USA und einigen europäischen Ländern werden diese Stoffe in Vitamingeschäften, Versandhäusern und Supermärkten frei verkauft. Im deutschen Raum hat man hingegen mit dem Handicap zu kämpfen, dass sie – rein juristisch gesehen – in einer Grauzone liegen und von den Behörden als „Medikamente“ gesehen werden. Damit sind sie zulassungs- und apothekenpflichtig, was in letzter Konsequenz bedeutet, dass sie – so lange dieses Gesetz gilt – nicht auf den deutschen Markt kommen werden.

Der interessierte Konsument wird sich zwangsläufig im Ausland orientieren, denn da gelten (derzeit noch) andere Kriterien. Nahrungsergänzungen aus Nachbarländern wie Dänemark oder den Niederlanden dürfen höher dosiert sein, als in Deutschland erlaubt ist. Die Anforderungen an die Qualität können mit deutschen Kriterien für frei verkäufliche Arzneien gleichgesetzt werden – und die sind dehnbar.

Produkte aus den USA unterliegen jedoch ganz anderen Gewährleistungen, als man in Deutschland gewohnt ist.

1. Nahrungsergänzungen werden in den USA als Lebensmittel gesehen und unterliegen daher nicht der gleichen staatlichen Überwachung, wie dies bei Arzneien üblich ist.

2. Dafür ist die Produkthaftung amerikanischer Hersteller wesentlich rigider als in Deutschland. (Dass man die Tabakkonzerne wie in den USA zur Rechenschaft zieht, scheint hier undenkbar. Und dass der Mensch dem Staat 15.000,- € wert ist, weiß man spätestens seit dem Zugunglück in Eschede.)

Im Klartext: Ob ein US-Produkt wirklich das hält oder enthält, was angepriesen wird, steht in den Sternen. Die Sicherheit dieser Produkte ist jedoch hoch, weil jeder US-Hersteller um seine schier unbegrenzte Haftung weiß. In Deutschland verhält es sich im Wesentlichen umgekehrt.

Im konkreten vergleichbaren Produktfall kann der Konsument bei einem deutschen oder europäischen Produkt relativ sicher sein, dass es enthält, was auf der Verpackung steht. Sollten ihm davon jedoch die Haare ausfallen, darf er mit einer lauwarmen Entschädigung rechnen. Bei einem US-Produkt darf er nicht unbedingt damit rechnen, dass es enthält, was auf der Verpackung steht, dafür ist er ein gemachter Mann, wenn ihm die Haare davon ausfallen.

Der HiLife e.V. sieht – wegen der ausreichenden Dosierung – vor allem in den US-Produkten einen Sinn, weiß jedoch gleichzeitig, dass diese von einwandfreien Herstellern stammen sollten (vgl. Basisnährstoffe). Erfreulicherweise kommen immer mehr höher dosierte Produkte auch in unmittelbaren Nachbarländern (z.B. Niederlande) auf den Markt.

Bedauerlicherweise behindern wirtschaftliche Interessen die sachliche Auseinandersetzung. Während die Pharmafront die Zufuhr von Nährstoffen gerne verteufelt, üben sich die Nährstoffanhänger gelegentlich im Übertreiben. So sind sich die „Pharmas“ nicht zu schade, bereits kleine Mengen (500 mg) Vitamin C mit angeblichen Erbschäden zu assoziieren. Die Nährstoffanhänger verweisen hingegen auf z.B. Nobelpreisträger L. Pauling, der gute Argumente für tägliche Dosierungen zwischen 10 und 20 g zusammentrug. Beide Argumentationen gehen bei den „Multis“ an der Sache vorbei. Denn bei Präparaten mit vielfältigen Nährstoffen kommen weitgehend unklare Synergie-Effekte ins Spiel und Feststellungen zur Einnahme von Monosubstanzen verlieren dadurch an Wert. Gute Hersteller berücksichtigen dies – so weit der Kenntnisstand reicht.

Viele Aussagen gelten streng genommen nur für die Substanz selbst bzw. den Rohstoff. Bereits wenn man zwei Rohstoffe verarbeitet (mischen, kapseln usw.), kann sich jede Aussage über Qualität ändern. Ein fertiges Nahrungsergänzungsmittel (NEM) besteht jedoch aus vielen verarbeiteten Rohstoffen. Und bei der Verarbeitung kann viel schief gehen. Verständlich, denn Antioxidanzien sind empfindlich und bereits kleinste Fehler im Verarbeitungsprozess haben unangenehme Folgen.

Das wesentliche Qualitätskriterium für ein Produkt, das sich Antioxidans nennt, ist die „Antioxidationsfähigkeit“ bzw. die Reduktionskapazität. Also die Fähigkeit Oxidantien zu neutralisieren bzw. Elektronen abzugeben. Und ausgerechnet darüber schweigen sich die Hersteller wortgewaltig aus.

Dr. Heinrich, Rostock, und Prof. Dr. M. Hoffmann, Fachhochschule Weihenstephan, Triesdorf, führen schon seit Jahren konkrete Messungen an Lebensmitteln (und NEM) durch. Vereinfacht ausgedrückt geht es um die Frage, wie man Nahrungsqualität exakt definiert. Eines der Kriterien ist die Menge an überschüssigen Elektronen, die eine bestimmte Nahrung hat. Oft wird dieser Elektronenüberschuss als Energie definiert. Nicht falsch, aber etwas waberig.

Ohne auf die Einzelheiten dieser so genannten Redox-Analysen einzugehen, kann man vereinfacht sagen, dass es um die Anzahl der „freien“ Elektronen („Energie“) geht (wobei „frei“ natürlich sinnbildlich zu verstehen ist). Je mehr Nährstoffgehalt Nahrung hat, desto elektronenreicher ist sie. Umgekehrt gilt, dass je „gestresster“ (Herbizide, Pestizide usw.) eine Nahrung ist, desto mehr Elektronen ge- und verbraucht sie selbst. Prof. Dr. M. Hoffmann kann damit sogar am Wein nachweisen, wie viel oxidativen Stress die Traube hatte. (Hierbei ist die Rede vom Trockenstress der Weinrebe, was für die Weinqualität erwünscht sein kann.)

NEM sind als konzentrierte Elektronenlieferanten zu sehen. Die in den Präparaten enthaltenen Antioxidanzien tragen die dringend benötigten freien Elektronen. Zwar könnte man dies für jedes Produkt in einer Zahl benennen, aber das ist noch nicht üblich. Bei Untersuchungen über die Redoxkapazität von martktüblichen NEM stellte sich immer mal wieder heraus, dass manche NEM „in Wahrheit Oxidantien sind“ (Heinrich). Hier wurden so viele Fehler bei der Herstellung gemacht, dass der Konsument sich für teures Geld auch noch schädigt.

Die Redoxkapazität eines Produktes ist jedoch nicht der Weisheit letzter Schluss! Es gibt nämlich starke und schwache Antioxidanzien. Anthocyanidin (OPC, Pycnogenol) gehört zu den starken Antioxidanzien, kann jedoch nicht die Aufgaben des vergleichsweise reduktionsschwächeren Vitamin C übernehmen. Dennoch wäre eine reduktionsschwächere Mischung dieser beiden Substanzen einem reduktionsstarken Monopräparat vorzuziehen. Wäre das Reduktionsvermögen der allein selig machende Maßstab, dann müsste man Chromsäuresalz empfehlen – es reduziert wie Hölle, ist bloß leider etwas tödlich ...

Die Reduktionskapazität ist demnach nur ein Parameter – von vielen. Ähnlich wie der Hubraum bei einem Auto. Allein der Umstand, dass ein Fahrzeug 8 Liter Hubraum hat, sagt noch nichts über die weiteren Qualitäten aus. Es kann sich um einen leistungsstarken Traktor oder einen Rennboliden handeln. Mit einem Familienwagen mit 2 Litern Hubraum dürfte man in der Regel am besten bedient sein.

Der HiLife hat einige US-Produkte untersuchen lassen. Siehe Kasten.

Kommentar:

Die von uns anhand der Inhaltsstoffe vorgenommene Einteilung nach niedriger (Daily One und Two), mittlerer (Mega 3 und 6, Source of Life, LifePak) und hoher Dosierung (Life Extension Mix) wurde weitgehend durch die Analyse bestätigt. Erwartungsgemäß reduzieren Produkte mit weniger Inhaltsstoffen und/oder weniger Mengen wie Daily One, Daily Two geringer als solche mit mehr Substanzen und/oder höheren Mengen wie Life Extension Mix oder LifePak.

Bemerkenswert der Unterschied zwischen Mega 3 und Mega 6 von TWINLAB. Laut Rezeptur und Preis unterscheiden sich diese beiden Präparate nur wenig. In Sachen Reduktionskapazität liegen sie jedoch weit ausei-nander. Man kann nur vermuten, dass der Fa. TWINLAB bei Mega 3 möglicherweise ein Herstellungsfehler (bei dem untersuchten Muster) unterlaufen ist. Vielleicht sieht das bei der nächsten Charge schon wieder anders aus.

Trotz netter Hochglanzprospekte und sehr vielen Inhaltsstoffen bietet auch Source of Life eine bescheidene Redoxkapazität für seinen Preis. Das kam nicht ganz unerwartet. Source of Life von der Firma Nature’s Plus bietet zwar, neben den gängigen Antioxidanzien, die ganze Palette von Aminosäuren in kleinsten Mengen, aber der Sinn dessen ist unklar.

Die positiven Werte von LifePak fallen ebenfalls aus dem Rahmen. Vergleicht man nämlich Anzahl und Menge der Inhaltsstoffe mit denen von Life Extension Mix, dann müsste Letztererweit, weit vorne stehen. Eine weitere Untersuchung nach den elektrochemischen Eigenschaften ergab einen niedrigen pH-Wert für LE-Mix und einen hohen für LifePak. Dies erklärt die unterschiedliche Leitfähigkeit und putscht die Werte für LifePak nur scheinbar hoch.

Dass die Redoxkapazität allein nicht das Maß aller Dinge ist, wird vor allem bei dem lautstark beworbenen Produkt Microhydrin deutlich. Es wurde mit viel pseudowissenschaftlichem Tamtam, aufwändigen Internetseiten, angeblich einwandfreien Referenzen und natürlich jeder Menge Fallbeispiele via Multilevelmarketing (Netzwerk) angeboten. Es ist nicht mal für den wissenschaftlich Ausgebildeten ohne weiteres durchschaubar, was sich konkret dahinter verbirgt; geschweige denn für einen Laien.

Angeblich, so eine der vielen Aussagen, soll es 1.000-mal stärker sein als normale Antioxidanzien. Eine von vorneherein unklare Aussage, da die Reduktionskapazität von Antioxidanzien unterschiedlich ist. Worauf der Hersteller sich auch immer bezog: Die Laboruntersuchung hat nichts dergleichen bestätigt. Da rangiert Microhydrin unter „ferner liefen“ ... Aber es kommt noch dicker. Im Radikalenbelastungstest muss ein Produkt beweisen, ob es tatsächlich gegen Radikale vorgehen kann – oder nur so tut, als ob. Der vernichtende Kommentar des Labors: „... unter physiologischen Bedingungen ist keine Wirkung feststellbar“ (Labo Tech).   

Fazit: Die Qualität eines Antioxidanzienprodukts allein aus seiner Reduktionskapazität ersehen zu wollen geht an der Sache vorbei. Auf jeden Fall aber sagt die Reduktionskapazität mehr aus als fromme Werbeslogans. Erst der Radikalenbelastungstest erlaubt die Feststellung, ob „das Auto überhaupt fährt“. Trotz allem ist damit nur ein Teil der insgesamt notwendigen Qualitäten beschrieben.

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