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Vor allem bei der Betrachtung von Monosubstanzen (z.B. Betakaroten) in hohen
Dosierungen können Antioxidanzien unter bestimmten Umständen sowohl antioxidativ
als auch (pro)oxidativ wirken. Die gängige Literatur greift gerne auf
vereinfachende Darstellungen zurück und schildert die Neutralisation eines
Freien Radikals als eine einfache chemische Reaktion: Oxidans + Antioxidans =
Neutralisation. In Wahrheit läuft die Sache nicht ganz so simpel ab. Vielmehr
ähnelt die Unschädlichmachung eines Freien Radikals bzw. der „elektronischen
Ladung“ einer Kaskade einzelner Schritte, wobei die Elektronen wie im
Stafettenlauf weitergereicht werden. Bei jedem einzelnen Zwischenschritt
entstehen jedoch Verbindungen, die immer harmloser werden, bis schließlich eine
Form erreicht wird, die problemlos ist (und ausgeschieden werden kann). Das
bedeutet, dass immer eine Vielzahl von unterschiedlichen Antioxidanzien benötigt
wird (Familienverband).
Ein allgemein bekanntes Mitglied des Stafettenlaufs ist Vitamin C, weswegen
es in Kombinationspräparaten immer wieder als zusätzlicher Inhaltsstoff
auftaucht. Aber auch Vitamin C selbst kann instabil werden. Die anti-oxidative
Wirkung liegt – bei Vitamin C – zwar etwa neunmal höher als die oxidative
Wirkung, dennoch empfiehlt es sich wahrscheinlich nicht, über Jahre
hinweg extrem hohe Dosierungen von Monosubstanzen zu sich zu nehmen. Es
sei denn, man verfolgt damit einen bestimmten Zweck. Ansonsten geht man davon
aus, dass Antioxidanzien immer Co-Antioxidanzien, also den „Familienverband“
brauchen, um einwandfrei zu funktionieren.
Für den Konsumenten gilt:
Mikronährstoffe können (und sollten) in der Regel in einer vielfach
höheren Dosierung, als von der DGE empfohlen, zugeführt werden. Bei der
Substitution von einzelnen Substanzen in hoher Dosierung (z.B. 25 g und mehr
reine Ascorbinsäure) sollten die Begleitstoffe vorsichtshalber ebenfalls
zugeführt werden. Wir empfehlen daher grundsätzlich zu den abgestimmten
Produkten zu greifen. So berücksichtigen gute NEM, dass bestimmte Nährstoffe
(z.B. Cystein) einen Helfer (Vitamin C) brauchen.
Einige der derzeit angebotenen Analysen wie z.B. Blutuntersuchungen,
Haarmineraluntersuchungen geben vor, den tatsächlichen Bedarf ermitteln zu
können. Das ist in fast allen Fällen Unsinn. So kann zum Beispiel das Blut eine
ausreichende Konzentration eines bestimmten Mikronährstoffs aufweisen und
dennoch ein gefährlicher Mangel in einem bestimmten Organ herrschen. Haare mögen
einen bestimmten Mineralstoff enthalten (oder auch nicht). Dies sagt nichts über
den aktuellen Zustand im Organismus aus. Über Vitamine sagen Haaruntersuchungen
ohnehin nichts aus.
Derartige Untersuchungen sind bestenfalls ein Indiz, als Grundlage für
Vorsorgemaßnahmen jedoch untauglich. Wer allein auf Basis einer derartigen
Untersuchung gar therapiert, handelt deshalb leichtfertig. Wirklich
aussagefähige Untersuchungen können derzeit nur darauf spezialisierte Kliniken
oder Speziallabors realisieren.
Im Bereich der Vorsorge ergeben die rein statistisch ermittelten Werte jedoch
meist recht brauchbare Anhaltspunkte. |