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Vor allem aus der Ecke der Pharmazie wird gerne der Vorwurf erhoben, dass Mikronährstoffe den angeblich unsinnigen Anspruch erheben, auf vielen Ebenen gleichzeitig zu wirken. Es ist zwar grundsätzlich richtig, dass viele Anbieter von populistischen Heilmitteln das Blaue vom Himmel an Wirkung versprechen und eine gesunde Skepsis wahrlich angebracht ist. Dennoch sollten die „schwarzen Schafe“ der Branche nicht dazu verleiten, der einen oder anderen Seite als Argument zu dienen. Tatsache ist, dass man pharmazeutische Definitionen und Zielsetzungen keineswegs gleichsetzen kann mit einer naturwissenschaftlichen Betrachtung des Menschen oder der Natur. Auch wenn die pharmazeutische Industrie dies immer wieder versucht.

Dass „eine Substanz eine Heilung“ bedeutet, ist eine Formulierung der Pharmas. Mit Naturwissenschaft hat dies nichts zu tun. Im Gegenteil. Man weiß in der Wissenschaft sehr wohl, dass eine kleine Änderung in einem Bereich große Änderungen in einem anderen Bereich nach sich ziehen kann. Die Chaos-Theorie beschreibt dieses Phänomen ausführlich.

So kann bereits das Fehlen einer einzigen Substanz, z.B. Vitamin C, bekanntermaßen zu Skorbut führen, der wiederum eine ganze Reihe von Symptomen nach sich zieht. Bereits kleinste Mengen einer einzigen Substanz heilen in diesem Fall so unterschiedliche Symptome wie Mattigkeit, Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Zahnfleischbluten, Infektionsanfälligkeit und Zahnverlust. Alle Symptome werden beseitigt, wenn man wieder ausreichend Vitamin C zuführt. Es ist eben keine Übertreibung, dass ein billiges Allerweltsvitamin vor dem Tod rettet – billig, mit 100%iger Sicherheit und ohne Nebenwirkungen. Deswegen ist Vitamin C noch lange kein Allheilmittel, aber es übertrifft jedwede pharmazeutische Chemiebastelei um Längen. Sehr zum Leidwesen der „Pharmatollahs“.

Vielmehr ist es die Regel, dass in einem funktionierenden komplexen Sys-tem bereits kleinste Änderungen einen unüberschaubaren Wust von Folgen nach sich ziehen. Das gilt für Organismen wie für Wirtschaftssysteme. Es gilt auch für pharmazeutische Produkte – allerdings so gar nicht im Sinne der Pharmaindustrie. Denn auch dort zieht die kleine Änderung der Körperchemie durch die Zufuhr einer synthetischen Substanz (Medikament) eine Flut von weiteren Folgen nach sich. Diese Folgen finden sich jedoch auf dem Beipackzettel wieder und werden gerne als Nebenwirkungen bagatellisiert.

Erneut wird umgekehrt ein Schuh daraus: Kennzeichen eines sinnvollen natürlichen Eingriffs in den Organismus des Menschen sind eben die zahlreichen positiven Folgen. Die Pharmazie hingegen darf sich schon glücklich schätzen, wenn ihr Produkt überhaupt Wirkung in der gewünschten Richtung zeigt; die zwangsläufigen weiteren Effekte (sog. Nebenwirkungen) sind praktisch alle negativ.

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