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Vor allem von den Gegnern der Mikronährstoffe – meist Vertreter der
Pharmaindustrie und deren mediale Nachbeter – werden gerne die Begriffe
„Nebenwirkung“ und „Überdosierung“ angeführt. Hier wird an die unterschwelligen
Ängste der Konsumenten hinsichtlich der Langzeitfolgen (wie bei Medikamenten!)
appelliert. Tatsache ist jedoch, dass bisher keine schädlichen Langzeitfolgen
bei den Mikronährstoffen bekannt sind. Die Langzeitfolgen bei vielen
Medikamenten wie z.B. Schmerzstillern, Schlaftabletten, Antibabypillen,
Blutdrucksenkern sind zumindest den Insidern bestens bekannt – sie reichen von
einfachen Magenschmerzen über Kopfweh bis hin zu Leberzellnekrosen und Krebs.
Die Todesursache „Nebenwirkungen von Medikamenten“ steht in den USA an vierter
(!) Stelle. In Deutschland schätzt man, dass 10 bis 20% aller
Krankenhauspatienten auf Grund von Nebenwirkungen eingeliefert werden. Laut
einer Studie des Prof. Frölich (siehe Fakten II) ist jeder zweite
Todesfall in deutschen Kliniken auf Medikationsfehler zurückzuführen. Darüber
schweigt die Pharmaindustrie sehr ausführlich.
Betrachtet man auch diese ebenso häufig wie selbstverständlich verwendeten
Begriffe Überdosierung und Nebenwirkung etwas genauer, dann stellt man fest,
dass es im Grunde genommen sehr waberige Aussagen sind. Denn man kann
alles überdosieren und es hat auch alles Nebenwirkungen – auch
Grünkohl und Wasser, braune Bohnen und der Geschlechtsverkehr ... nach 9
Monaten.
Die Begriffe Nebenwirkung und Überdosierung bekamen erst im
Zusammenhang mit synthetischen Substanzen (Medikamente) eine halbwegs eindeutige
Definition. Jede synthetische Substanz hat neben seiner erwünschten Wirkung
praktisch immer auch noch weitere unerwünschte Nebenwirkungen – das ist allen
Fachleuten (und den meisten Laien) klar. Der Arzt muss in jedem einzelnen Fall
eine Art Schaden-Nutzen-Rechnung vornehmen. Die Vorsicht bei synthetischen
Stoffen ist durchaus berechtigt, handelt es sich hier doch um künstliche
Produkte, die es in dieser Form im Bauplan der Natur so nie gegeben hat,
die also vom Organismus meistens als Gift betrachtet werden.
Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Überdosierung. Eben weil es bei
Medikamenten um mehr oder weniger giftige Substanzen geht, kann man die
Entgiftungsmechanismen des Organismus schnell überfordern. Aber das ist auch bei
Medizinern und Pharmakologen eine sehr relative Sache, der jedoch vor allem in
den Medien immer eine eindeutige Tönung gegeben wird. Überdosierung bedeutet im
pharmakologischen Sinne nichts anderes als eine versehentliche oder bewusste
Überschreitung der erfahrungsgemäß notwendigen Dosis. Mehr bedeutet dies nicht.
Es bedeutet nicht, dass die Überdosierung automatisch gesundheitsgefährdend oder
gar tödlich wäre.
Die Dosis, die das Leben eines Menschen gefährden könnte, muss
verständlicherweise bei der Zulassung eines Medikaments ebenfalls ermittelt
werden. Man bezeichnet jene Menge, die zum Tode führt, als letale Dosis (LD).
Der Laie mag sich hierbei einen klaren Grenzwert vorstellen, aber auch diese
tödliche Menge ist sehr relativ und wird z.B. als LD 50/30 angegeben. Das
bedeutet, dass bei dieser Dosis die Hälfte der Versuchsobjekte (z.B. Mäuse)
innerhalb von 30 Tagen starb. Obwohl die letale Dosis (LD) weitaus mehr über
eine Substanz aussagt als der Waberbegriff „Überdosierung“, wird sie in der
Diskussion über Medikamente und Mikronährstoffe – aus gutem Grund –
vollständig unterschlagen. Denn bei einer Gegenüberstellung der LD von
Medikamenten und Nährstoffen würde sofort offenkundig werden,
dass man genauso gut eine Wasserspritzpistole für Kinder mit einer Kalaschnikow
vergleichen könnte. Es grenzt an bewusste Irreführung, wenn man die Begriffe
Nebenwirkung und Überdosierung aus der Pharmazie mutatis mutandis auf natürliche
Substanzen und/oder Vorgänge überträgt.
Natürlich hat auch in der Natur jede Substanz noch andere Wirkungen
als die möglicherweise beabsichtigte(n): So kann der Genuss von einem Glas
Wasser den Durst stillen, Unmengen davon können töten: Sind das etwa
„Nebenwirkungen“? Liest man die Berichte über angebliche Nebenwirkungen und
Überdosierungen der Mikronährstoffe genauer, dann fällt unangenehm auf, dass
praktisch nie konkrete oder gar vergleichende Zahlen genannt werden. Man
suggeriert eine angeblich wissenschaftliche Genauigkeit, die es gar nicht gibt,
und verfängt sich deswegen auch im allgemeinen Gelaber. Es ähnelt der Bemühung
Kartoffelpüree als „Medikament“ darzustellen.
Der Versuch, vergleichbare Fakten – statt Geschwätz – in eine Aufstellung zu
bringen, sähe etwa wie in der nachstehenden Tabelle aus. Diese nicht ganz ernst
zu nehmende Aufstellung soll lediglich vor Augen führen, wie unsinnig es ist,
halbwegs eindeutig definierte Begriffe aus der Pharmazie auf andere Bereiche
übertragen zu wollen.
|
Substanz |
Norm |
Überdosierung |
Letale Dosis |
Sicherheit |
|
Vitamin C |
100 mg |
ab 1 g denkbar |
unbekannt |
„unendlich“ |
|
Vitamin A |
5.000 IE |
ab 500.000 IE |
unbekannt |
x 100 |
|
Vitamin E |
15 bis 20 IE |
unbekannt |
200.000 IE?? |
x 10.000 |
|
Bohnen |
200 g |
unbekannt |
4 – 8 kg??? |
x 20 bis 40 |
|
Schnaps |
2 Portionen? |
4–8 Portionen? |
20 – 40 Port.?? |
x 10 bis 20 |
|
Paracetamol |
500 – 1.000 mg |
ab 1.000 mg |
ab 10.000 mg |
x 10 bis 20 |
|
Sex |
2 x/Woche |
5 x täglich? |
Todesfälle während und nach Ausübung bekannt |
keine |
Den Antioxidanzien in jedem Fall und in jeder Menge völlige
Harmlosigkeit zu attestieren wäre jedoch genauso wenig korrekt wie bei
Rindfleisch, Spinat oder Kaffee. Einzelne Substanzen wie z.B. Selen (Kaffee,
Kartoffeln usw.) können in der Tat bei sehr, sehr hohen Dosierungen
schädlich sein. Allerdings ist kein Fall bekannt, bei dem es jemandem gelungen
wäre, sich damit umzubringen. Irreführenderweise wird man von offizieller Seite
auch nicht müde z.B. die „Gefährlichkeit“ von Vitamin A zu beschwören. Tatsache
ist, dass man allgemein um die 5.000 IE Vitamin A empfiehlt, aber allein in 200
g Leber bis zu 250.000 IE Vitamin A enthalten sein können. Nicht mal die sonst
sehr fantasiereich bramarbasierenden „Offiziellen“ konnten bisher den Nachweis
erbringen, dass der Genuss von Leber folglich lebensgefährlich sei und der
Metzger daher eine Lizenz zum Töten braucht ...
Vor allem bei den Naturheilmitteln (Pflanzen) darf es nicht erstaunen, dass
die Nebenwirkungen meistens mit dem lapidaren Satz „Keine bekannt“ umschrieben
werden. Dass Pflanzen eine Heilwirkung haben, macht sie noch lange nicht
„gefährlich“, aber auch nicht in jedem Fall harmlos. Auch Spargel, Tomaten,
Sauerkraut und Orangen können in bestimmten Zusammenhängen heilend wirken.
Die tatsächlichen Risiken von Mikronährstoffen sind sogar geringer als die
„Gefahr“, die von allen anderen Lebensmitteln ausgeht. Faktisch hat der Mensch
ein ungleich viel höheres Risiko an einer klassischen Lebensmittelvergiftung zu
sterben, als – versehentlich – zu viel Mikronährstoffe zu sich zu nehmen. In den
USA, wo die ausreichend bzw. hoch dosierte Nahrungsergänzung mit
Mikronährstoffen gang und gäbe ist, starben in den letzten 25 Jahren
schätzungsweise 125.000 bis 250.000 Menschen an Lebensmittelvergiftungen und
-unverträglichkeiten. Im gleichen Zeitraum wurden 5 (!) Todesfälle auf
Mikronährstoffe zurückgeführt.
Tatsache ist, dass viele Hersteller dennoch allein schon aus Haftungsgründen
jede denkbare Nebenwirkung erwähnen – und sei sie noch so
unwahrscheinlich oder harmlos. So wird praktisch immer darauf
hingewiesen, dass z.B. Schwangere erst ihren Arzt befragen sollten, womit die
Verantwortung vorsorglich auf eine Person abgewälzt wird, die das Risiko noch
weniger beurteilen kann als der Hersteller (und daher im Zweifel immer abraten
wird). Einziger Fakt ist: Man kann und wird synthetische Medikamente,
Naturheilmittel, aber auch Sicherheitsgurte u.v.a.m. niemals an Schwangeren
testen. Das verbietet sich nun mal von selbst. Siehe auch Die „richtige“
Dosierung. |