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Der moderne Mensch hat über Jahrhunderte hinweg seinen Input (Nahrung) in
geradezu fahrlässiger Weise vernachlässigt, seinen Output (Leistung) hingegen
ständig erhöht. Diese einseitige Rechnung ging nicht auf. Sie konnte gar nicht
aufgehen. Die Folgen dieses Raubbaus wurden sehr lange Zeit übersehen – was auch
nicht verwundert: Denn wenn man kaum etwas über die Qualitäten seines Inputs
weiß, kann man auch kaum den Zusammenhang zu den Spätfolgen erkennen. Zumal
diese Folgen erst spät, manchmal sehr spät auftreten. Bei vielen Krankheiten
liegen Jahre, sogar Jahrzehnte zwischen Ursache(n) und Folge(n), so dass
zuverlässige Rückschlüsse bzw. nachweisbare Kausalitäten im Sinne der
Naturwissenschaft kaum noch möglich sind.
Zum besseren Verständnis muss man etwas näher auf chemische Abläufe eingehen.
Kohlenhydrate, Fette und Proteine sind, wie bereits dargelegt, die groben
„Backsteine“, aus denen das Grundgerüst eines Organismus besteht. Und sie sind
Brennstoff zugleich. Die Lebensmittelinhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralien,
Bioflavone, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe usw. sind dabei gewissermaßen die
Vermittler der chemischen Reaktionen.
Stoffwechselvorgänge sind nichts anderes als chemische Reaktionen. Die Natur
geht dabei im Prinzip zwei Wege, auf die wir hier nur am Rande eingehen können:
Im ersten Fall verbinden sich zwei Reaktionspartner aufgrund ihrer
gegensätzlichen Ladung, also zum Beispiel ein positiv geladenes Natrium(ion) mit
einem negativ geladenen Chlor(ion). Diese Reaktion verläuft moderat; es entsteht
Kochsalz. Im anderen Fall haben wir es mit Reaktionspartnern gleicher Ladung zu
tun. Diese Reaktionen verlaufen wesentlich heftiger, wie zum Beispiel bei
Verbindungen zwischen Chloratomen. Im letzteren Fall haben wir es mit Freien
Radikalen zu tun. Freie Radikale reagieren, wie der Name bereits vermuten lässt,
recht ruppig. Die Bindungswut von Freien Radikalen ist so groß, dass sie
buchstäblich mit allem, was sich ihnen nähert, eine chemische Reaktion eingehen.
Diese Wahllosigkeit kann schwerwiegende Folgen haben.
Beispiel Nehmen wir an, ein Chlor-Radikal befindet sich dort, wo es
nicht hingehört, nämlich in einer Körperzelle. In diesem Fall ist die
Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es mit einer x-beliebigen empfindlichen
organischen Struktur wie zum Beispiel einem Protein eine Verbindung eingeht
(oxidiert). Dieses Protein wird dadurch verändert und „denaturiert“; es ist
nicht mehr verwertbar und schwimmt als „Sondermüll“ in der Zelle herum.
Gleichzeitig wird dieses Protein selbst zum Freien Radikal und attackiert
seinerseits andere organische Strukturen. Es entsteht eine Kettenreaktion mit
fatalen Folgen. Antioxidanzien haben nun die Aufgabe, diese ständig
stattfindenden „bösartigen“ Reaktionen zu kanalisieren oder zu stoppen. So
„opfert“ beispielsweise ein Vitamin sein Elektron an das Chlor, ohne dabei
selbst zum Freien Radikal zu werden. Es hat das Chlor entschärft, ist dadurch
jedoch selbst unbrauchbar geworden.
Wir wissen heute, dass der Mensch eine gewisse Anzahl von bioaktiven Stoffen
benötigt, um diese krank machenden Freien Radikale beseitigen zu können.
Allerdings weiß man noch immer nicht genau, wie viele Substanzen dies exakt sind
und in welcher Dosierung sie gebraucht werden.
So hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 75 mg Vitamin C täglich
für absolut ausreichend. Der amerikanische Wissenschaftler und Nobelpreisträger
Linus Pauling (1901–1994), der immerhin ein gesegnetes Alter von 93 Jahren
erreichte, empfahl hingegen mindestens 6 bis 18 g Vitamin C täglich – also die
200fache (!) Dosis. Die Angaben der Vitaminforschung liegen zwischen 500 mg und
3 g (und mehr). Analog verhält es sich für viele andere Stoffe.
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