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Jede Form von Leben (Veränderung) benötigt Energie. Die Natur kann diese nur im Weg der Verbrennung (Oxidation) ausreichend herstellen. Dabei ist es vom Prinzip her gleichgültig, ob man die Oxidation von Dynamit (Explosion), von Holz (Feuer) oder innerhalb eines Organismus betrachtet. Es handelt sich immer um einen Austausch von Elektronen.

Vereinfacht ausgedrückt entsprechen die Makronährstoffe dem Öl in der Heizung, dem Benzin im Motor. Jeder Brennstoff braucht bekanntlich Sauerstoff. Chemisch gesehen ist dies das Oxidationsmittel. Der Mensch erhält den erforderlichen Sauerstoff über die Lunge. Damit die Verbrennung (Oxidation) zwischen den Makronährstoffen und dem Sauerstoff moderat abläuft, wird der Vorgang enzymatisch gesteuert. Würde die Oxidation ungeregelt ablaufen, dann käme es zur Kettenreaktion mit dem bekannten Phänomen eines Feuers. Bildlich gesprochen sorgen die Enzyme dafür, dass die Holzscheite Molekül für Molekül verbrannt (oxidiert) werden, um so ein „Niedrigtemperaturfeuerchen“ zu erhalten.

Eine bemerkenswerte Leistung, die über viele chemische Zwischenschritte vollbracht wird. Es liegt auf der Hand, dass die überall im Organismus gleichzeitig stattfindenden Oxidationen nur dann „im Griff“ gehalten werden können, wenn überall genug Enzyme anwesend sind. Das ist in aller Regel kein Problem, weil der Organismus diese Enzyme nach Bedarf selbst herstellen kann. Alles paletti – dachte man lange Zeit. Den „Haken“ an der Geschichte entdeckte man relativ spät. Die Enzyme brauchen nämlich so genannte Coenzyme, die bei jeder Reaktion regelrecht verbraucht werden. Der ständige und ausreichende Nachschub an Coenzymen entscheidet damit über das ausreichende Vorhandensein der Enzyme. Coenzyme kann der Organismus jedoch nicht selbst herstellen. Es handelt sich dabei um bestimmte Mikronährstoffe (Vitamine & Co), die über die Nahrung zugeführt werden müssen.

Das ist die eine Seite der Medaille.

Gleichzeitig haben diese Mikronährstoffe eine weitere Funktion. Denn bei den Verbrennungsvorgängen passieren immer wieder mal „Betriebsunfälle“. So kommt es regelmäßig vor, dass ein aggressives oxidierendes Molekül z.B. den Enzymen entwischt und unkontrollierte Schäden anrichtet. Das Molekül weiß es nicht besser und kann nun mal nicht zwischen den Fetten der Nahrung und denen, aus der die Zelle selbst besteht, unterscheiden. Gewissermaßen in die Irre geleitet verbrennt es die Zelle selbst.

Die Natur beweist einmal mehr ihre Genialität. Einerseits liefert sie über die Makronährstoffe der Nahrung den Brennstoff an. Auf der anderen Seite erhält der Körper über die darin enthaltenen Mikronährstoffe lebenswichtige Hilfsstoffe, damit der Organismus nur die Nahrungsfette, nicht aber seine eigenen verbrennt. Und der Mensch bewies einmal mehr seine sehr beschränkte Einsicht, indem er unwissentlich das ausbalancierte Verhältnis zwischen Brenn- und Hilfsstoffen aus dem Lot brachte. Die Brennstoffe wurden erhöht, die Hilfsstoffe gesenkt. Die Folge: Die „Selbstverbrennungs-schäden“ im Organismus nahmen zu.

Etwas wissenschaftlicher formuliert: Die Oxidationen nahmen zu, während die Antioxidationsmittel abnahmen. Dieses komplexe Geschehen drückt der Wissenschaftler in einer so genannten Reduktions-Oxidations-Formel (kurz: Redox) aus. Das Verhältnis zwischen Oxidationen und parallel verlaufenden Reduktionen kann man messen und es verschob sich in Richtung Oxidation. Es fehlt an ausreichend Antioxidanzien, um den unerwünschten Oxidationen begegnen zu können. Der Mensch oxidiert zunehmend sich selbst, ernsthafte Schäden sind die Folge. Je nachdem wo die Schäden überwiegen, entstehen daraus sehr unterschiedliche Erkrankungen.

Wir stellen heute eine bedenkliche Zunahme an chronischen Krankheiten fest. So leidet bspw. jeder zweite Mitteleuropäer mittlerweile an einer Allergie. Wenn man den Prognosen glauben darf, werden in zwanzig Jahren vier von fünf Menschen Allergiker sein. Aber auch andere Zivilisationserkrankungen wie Rheumatismus (Arthritis) und Arteriosklerose nehmen seit mehreren Jahrzehnten dramatisch zu.

Bemerkenswerterweise scheinen die Erkrankungen der Pflanzen ebenfalls zuzunehmen. Man vermutet, dass den Ackerböden inzwischen sehr viel mehr Substanzen fehlen, als mit den gegenwärtigen Analysemethoden nachgewiesen werden können. Dadurch fehlen diese Stoffe zwangsläufig auch dem Menschen, der sich von den Früchten des Bodens ernährt. So lässt sich bspw. nachweisen, dass die meisten deutschen Ackerböden viel zu wenig verwertbares Selen enthalten. Selen ist ein Spurenelement, das im Zusammenwirken mit Vitaminen die Immunabwehr stärkt und den Organismus vor schädlichen Strahlen und Schwermetallen wie Kadmium, Blei und Quecksilber schützt.

Sehr wahrscheinlich ist dies aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn hierbei tritt ein grundsätzliches Problem zutage – nämlich die Frage, was die Böden enthalten sollten, damit die Feldfrüchte genügend Mikronährstoffe für den Menschen aufnehmen können. Aber dieser Frage wollen (und können) wir hier nicht nachgehen.

Fest steht, dass der organische Stoffwechselmechanismus sehr komplex ist: Für jeden Stoffwechselvorgang sind ganz bestimmte Substanzen erforderlich. Auch für jede Abwehrreaktion auf natürliche Umweltgifte ist eine ganz bestimmte Gegensubstanz nötig. Während viele Tiere diesbezüglich einen gewissen Spielraum haben, sieht die Situation beim Menschen anders aus. Klassisches Beispiel ist das Vitamin C, das die meisten Tiere (aus Kohlenhydraten: Glucose) selbst nach Bedarf herstellen können, während dem Menschen diese Fähigkeit im Laufe der Evolution verloren gegangen ist.

Eine gestresste Ratte produziert selbst bis zu 20 g Vitamin C täglich! Rechnet man diesen Wert auf einen 70 kg schweren Menschen um, dann bräuchte dieser theoretisch etwa 1 kg (1.000.000 mg). Natürlich kann man den Bedarf einer Ratte nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen, aber es zeigt deutlich, in welchen Mengen die Natur diese Substanz einsetzt.

Was soll man vor diesem Hintergrund davon halten, wenn die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) winzige 75 mg pro Tag empfiehlt und exotische Studien die Schädlichkeit von höherer Vitamin-C-Zufuhr auf das Erbgut „nachgewiesen“ haben wollen? Folglich müssten alle Tiere schon längst als Mutanten herumlaufen und Pflanzen wie Tiere, die mehr Vitamin C als die DGE-Empfehlung umsetzen, begehen demnach genetisches Harakiri ...

Fakt ist, dass der Stoffwechsel von Tieren wie Menschen im Gleichgewicht zwischen Abbau und Aufbau stehen muss. Schlägt die Waagschale auf der einen oder anderen Seite aus, dann spricht der Mediziner von anabolen bzw. katabolen Zuständen. Der Abbau geht einher mit erhöhter Oxidation, also auch einer vermehrten Schädigung körpereigener Substanzen durch aggressive oxidierende Stoffe, auch „Freie Radikale“ genannt.
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