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Genau genommen wissen wir nicht einmal, was Psyche ist und wo sie sitzt. Man
siedelt die Psyche im Gehirn an, aber da wir über dieses Organ auch nicht sehr
viel wissen, tauschen wir lediglich unklare Begriffe gegen-einander aus. Wir
wissen immerhin, dass die Psyche einen weitaus größeren Einfluss auf das
Wohlbefinden hat, als man lange Zeit wahrhaben wollte. Sie kann ernsthafte,
sogar tödliche organische Krankheiten auslösen.
Bereits die Grenzziehung zwischen organischen und psychischen Defekten fällt
uns schwer. Kaum ein Arzt vermag dies eindeutig festzulegen, obwohl es
eigentlich Voraussetzung für eine gezielte Therapie wäre.
Auf alle Fälle ist dem Menschen klar geworden, dass auch seine Psyche nicht
endlos belastbar ist. Anspannungen sind in allen Varianten und in kleineren
Dosierungen nützlich und wohltuend, aber führen auf Dauer zu Unwohlsein und
schließlich Krankheit. Stress ist der diffuse Überbegriff für die dauerhafte
Überforderung. Ein Orgasmus ist angenehm, zwanzig sind Stress. Vielen gelingt es
nicht mal in ihrer Freizeit, der Psyche eine wohlverdiente Pause zu geben.
Die psychiatrischen Kliniken und psychologischen Praxen sind Beweis dafür,
daß wir der Psyche mit Pillchen nicht beikommen können. Sie repariert sich
selbst – oder nicht. Mehr als eine Hilfestellung (Analyse, Psychotherapie)
können wir nicht geben. Insofern gilt auch hier, dass Vorsorge nach wie vor die
wirkungsvollste Medizin ist. Eine gesunde Psyche basiert auf der richtigen
Mischung aus Spannung und Entspannung. In unseren Breitengraden überwiegt die
Dauerspannung, der Stress. Man vermutet, dass mehr als die Hälfte aller
Krankheiten darin ihren Ursprung haben. Die richtige Entspannung wird in unserer
Zivilisation zunehmend zum Problem. |