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Das in den Industriestaaten existierende Heilungsmonopol basiert auf dem
allgemeinen Konsens, dass die Schulmedizin zu den exakten Naturwissenschaften
gehört. Die Naturwissenschaften genießen ein hohes Ansehen, weil sie entweder
die richtigen oder gar keine Antworten zu den Fragestellungen liefern.
Vereinfacht ausgedrückt ist die Naturwissenschaft eine philosophische Technik
der Annäherung an die Wahrheit, an das, was IST. Das klingt einfach und entpuppt
sich als sehr schwer. Im Gegensatz zu allen vorangegangenen Philosophien
der Menschheitsgeschichte ist das Fundament aller naturwissenschaftlichen
Betrachtungen die Definition dessen, was überhaupt als Tatsache angesehen werden
darf. Bisher hatte der Mensch seine eigene Beobachtung als Basis weiterer
Schlussfolgerungen herangezogen.
Über Jahrtausende hinweg haben Milliarden Menschen bestätigt, dass die Sonne
unterging, während sich die Erde nicht bewegte. Also kreiste die Sonne um die
Erde. Es ist der Naturwissenschaft zu verdanken, dass die eigenen Sinne, die
eigene Beobachtung nicht per se als richtig akzeptiert wurde. Wobei es
gleichgültig war, ob alle Menschen eine Tatsache als offenkundig ansahen.
Für den Naturwissenschaftler ist eine Feststellung erst dann eine exakte
Tatsache, wenn sie bewiesen ist. Das, was als Beweisführung akzeptiert
wird, unterliegt sehr strengen Definitionen. Ein Stein fällt (in Moskau, New
York oder Tokio) immer nach unten. Diesen Versuch kann man milliardenmal - mit
stets dem gleichen Ergebnis wiederholen. Nach naturwissenschaftlicher Definition
ist das bestenfalls Empirie bzw. eine Regel, aber kein Beweis (Gesetz). Als
bewiesen gilt eine Hypothese erst, wenn auch die Ursache bewiesen ist.
Erst als die Anziehungskraft der Masse bewiesen werden konnte, galt die
Hypothese als Tatsache bzw. Gesetz. Das Faszinosum an den exakten
Naturwissenschaften ist, dass der Mensch sich auf diese Gesetze unabhängig von
Rasse, Religion oder Politik absolutverlassen konnte (jedenfalls in unserem
Bezugssystem). Erstmals erbrachte eine Denkweise absolut gültige Fakten. Dass
jede Antwort 10 neue Fragen gebar, steht auf einem anderen Blatt.
Nicht nur in der Medizin hat man es jedoch mit weitaus komplexeren
Sachverhalten zu tun, und um einem Krankheitsgeschehen auf die Spur zu kommen,
werden wissenschaftliche Modelle, Vermutungen formuliert. Diese Annahmen nennen
sich dann Hypothesen (Theorien).
Eine Hypothese ist nichts anders als eine Spekulation darüber, wie es sein
könnte und sie muss sich dem wissenschaftlichen Dialog stellen. Wobei auch hier
strenge Kriterien eingehalten werden müssen, wenn die Auseinandersetzung
fruchtbar sein soll. Im Normalfall wird man versuchen die Hypothese als falsch
darzustellen, d.h., sie wird falsifiziert. Wenn das gelingt, ist die
Hypothese natürlich erledigt und geht ad acta. Gelingt das nicht, dann bedeutet
das noch lange nicht, dass die Hypothese stimmt, und man wird versuchen sie zu
beweisen, d.h. zu verifizieren.
Dem Forscher ist die Begrenztheit seiner eigenen Philosophie durchaus klar.
Die strengen Maßstäbe führten zwar zu enormen echten Fortschritten, engen aber
gleichzeitig ein. So ist die Existenz Gottes weder falsifizierbar noch
verifizierbar und somit ein typisches Beispiel für eine Pattsituation bzw.
Glaubensfrage. Auch wenn die Mediziner von Flensburg bis München entrüstet
aufschreien werden, aber mehr hat die Schulmedizin in den meisten Fällen auch
nicht zu bieten. Von Arteriosklerose über Adipositas bis hin zu Krebs und
Diabetes wimmelt es von Hypothesen, die nach wissenschaftlicher Definition reine
Glaubensbekenntnisse sind. Teilweise sogar erstaunlich inkonsequente Dogmen.
Nach schulmedizinischer Weisheit handelt es sich z.B. bei Metastasen um
verschleppte Geschwulstzellverbände. Tumorzellen werden demnach via Blut- bzw.
Lymphbahn über den Körper verteilt und nisten sich irgendwo erneut ein. Bereits
bei dem Begriff „retrograde Metastasierung“ müsste man eigentlich stutzig
werden, denn damit beschreibt man Tochtergeschwülste, die entgegen der
Blutstromrichtung liegen. Es scheint, dass nicht mal die Schulmedizin an die
eigene Theorie glaubt, denn Blutkonserven werden nicht auf Krebs untersucht.
Um sich dennoch von der Religion zu unterscheiden, bemüht sich die
Schulmedizin um einen naturwissenschaftlichen Anstrich. Man versucht die
Hypothesen mittels eines naturwissenschaftlichen Instrumentariums zu beweisen.
Und hier muss der Patient eine klare Grenze ziehen. Der Umstand, dass man eine
Hypothese (Erkrankung) mittels objektiver Daten (Studien) zu klären versucht,
bedeutet leider noch lange nicht, dass die Hypothese etwas wert ist.
Beobachtbare Zusammenhänge zwischen z.B. Fettkonsum und Arteriosklerose sind
nach dem selbst auferlegten naturwissenschaftlichen Standard so gut wie nichts
wert.
Der Aufwand, der zur Klärung scheinbar einfachster Fragen betrieben werden
muss, kann gleichzeitig als Indiz dafür gesehen werden, dass die Forschung im
Dunkeln stochert. Studien werden überhaupt erst dann ernst genommen, wenn sie
einen ganzen Katalog von Bedingungen erfüllen. Nur um nicht der Selbsttäuschung
anheim zu fallen. Letztendlich erhält die medizinische Forschung damit eine
Datensammlung, aus der sich bestenfalls Wahrscheinlichkeiten wie z.B.
Risikofaktoren ablesen lassen. Mehr nicht. Die schier unendliche Vielzahl an
Studien zur Wahrscheinlichkeit beweist allerdings nicht eine einzige
Hypothese. Es ist auch Unsinn und naturwissenschaftlich nicht haltbar, wenn -
wie oftmals üblich - die eine Hypothesen durch eine weitere angeblich bestätigt
wird. Auch Märchen sind in sich logisch.
Meistens hat die Schulmedizin dem Patienten nicht mehr als eine spekulative
Erklärung zu der Erkrankung zu bieten. Die Therapie kann zwangsläufig nur ein
Ratespiel mit experimentellem Charakter sein. Die Erfolgsaussichten basieren auf
Wahrscheinlichkeitsberechnungen: Dem real existierenden Einzelfall, nützt es
jedoch herzlich wenig, wenn ihm mitgeteilt wird, dass 30% der Betroffenen die
Erkrankung überleben, wenn kein Schulmediziner sagen kann, was zu tun ist, um zu
den 30% zu gehören.
Das ist leider Stand der Dinge: Die Schulmedizin besteht aus einer amorphen
Masse ungeklärter und unbewiesener Theorien. Der Alleinanspruch der Schulmedizin
auf alles, was irgendwie mit Heilung zu tun hat, basiert demnach auf heißer Luft
und ist rechtlich im Grunde genommen verfassungswidrig.
Was aber ist Heilung? |