| Immer wieder kann man von „superwirksamen“
Aphrodisiaka lesen. In der Regel sind die angepriesenen Substanzen jedoch
das Geld nicht wert. Solange sie den deutschen Richtlinien für frei verkäufliche
Arzneimittel unterliegen, ist das nicht erstaunlich: Hierbei werden die Produkte
so harmlos dosiert, dass sie zwar nicht schaden, aber eben auch nicht wirken
können. Das ist teilweise gerechtfertigt, denn wirksame Dosierungen können in
diesem Bereich nahe an den gesundheitsschädlichen Mengen liegen. So wirkt die
Spanische Fliege zwar bei manchen (30% ?) „appetitanregend“, aber die wirksame
Menge liegt gefährlich nahe an der tödlichen Dosis. Daher gibt es in Deutschland
nur homöopathische Spanische Fliege. Das ergibt jedoch kaum Sinn.
Solange der Konsument sich auf Präparate der so genannten „Ehehygienefirmen“
beschränkt, kann er/sie kaum etwas falsch machen, denn die dort angebotenen
Substanzen sind in aller Regel teuer – und wirkungslos. Wendet man sich jedoch
den eigentlichen Rohstoffen zu und dosiert selbst, dann sind
Grundkenntnisse wichtig. Eigene Mischungen mit selbst erworbenen Rohstoffen
können natürlich viel stärker, also auch wirkungsvoller ausfallen. Muira Puama,
Ginseng, Maca, Hafer, Arginin, Niacin u.a. gelten als geradezu klassische
Substanzen, die man kaum gefährlich überdosieren kann. Bei selbst hergestelltem
Sud aus der Yohimberinde sollte man sich jedoch sehr vorsichtig (!) an
die verträgliche Dosierung herantasten.
Erektionsfördernde Salben enthalten meist bekannte durchblutungsfördernde
Substanzen, die anderswo allemal billiger zu haben sind. Da reicht oft Tiger
Balm aus der Drogerie oder Wick VapoRub aus der Apotheke, um den gleichen Effekt
zu erzielen. Vorsicht allerdings bei Kontakt mit Schleimhäuten (Vagina). Was dem
Penis gut tut, kann dort nachteilig sein.
Wie funktioniert Lust?
Nach derzeitigem Kenntnisstand ist das Hormon Testosteron maßgeblich daran
beteiligt, wie der Mensch (auf mentaler Ebene) auf Sexsignale reagiert.
Das gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. Während Testosteron Sexzentren
im Gehirn ansteuert und aktiviert, sorgen Nitritoxid und sein Metabolit
cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP) für die verstärkte Durchblutung der
Sexualorgane bzw. der corpi cavernosi. Dieses spezielle schwammartige
Gewebe im Penis bzw. der Klitoris füllt sich bei Erregung mit Blut und
sorgt für die sichtbare Versteifung beim Mann resp. der angeschwollenen Klitoris
bei der Frau.
Prinzipiell funktioniert die Lust bei beiden Geschlechtern demnach auf
biologischer Ebene gleich, auch wenn die unterschiedlichen hormonellen
(archaischen, sozialen) Akzente divergierende emotionale Haltungen zur Folge
haben. Allerdings kann nur das freie Testosteron Einfluss ausüben.
Gebundenes Testosteron ist biologisch nicht mehr aktiv. Der Organismus
kontrolliert seine biologisch aktiven (freien) Testosteronmengen über das so
genannte sexhormonbindende Globulin (SHBG). Und hier liegt einer der
Knackpunkte.
Die absolute Testosteronkonzentration im Blut ist nämlich bei jungen wie
älteren Männern im Wesentlichen gleich. Der Anteil an freiem Testosteron
sinkt jedoch mit zunehmendem Alter. Das liegt daran, dass das Bindungsvermögen
von SHBG im Laufe der Jahre zunimmt, also immer mehr Testosteron biologisch
inaktiv wird. Viele Medikamente verstärken dies zu allem Überfluss auch noch:
Beruhigungsmittel, Bluthochdruckmedikamente, Alkohol und manche Rauschgifte
wirken in Sachen Lust kontraproduktiv.
Testosteron
Sofern man psychische Phänomene ausklammert, hat man(n) es in Sachen Sex auf
der einen Seite mit den rein erektilen Funktionen und auf der anderen Seite mit
dem Hormon Testosteron zu tun. Gegenseitige Überschneidungen verstehen sich von
selbst.
Während seit Jahren über die weiblichen Sexualhormone sozialverträglich
diskutiert werden kann, kämpft das männliche Sexualhormon noch immer gegen sein
negatives Image an. Testosteron wird allzu schnell mit Machos à la Rambo
verknüpft. Dabei geht die Funktion des männlichen Sexualhormons viel weiter.
Ähnlich wie bei Frauen (Klimakterium) kann man auch bei Männern eine Vielfalt an
Begleiterscheinungen beobachten, wenn der freie Testosteronspiegel
allmählich sinkt.
Rein äußerlich stellte man bei Männern bei einer sinkenden
Hormonkonzentration eine Zunahme des abdominalen Fettes und eine Abnahme der
Muskelmasse fest. Gleichzeitig fühlt sich der Mann immer weniger wohl und wird
öfter depressiv (Barett-Conner et al. 1999; Rabkin et al. 1999; Schweiger et
al. 1999).
Laut einer Studie korrespondieren nachstehende Beobachtungen mit sinkenden
Testosteronspiegeln (Wrigth et al. 1999): Verlust der
Konzentrationsfähigkeit, Launigkeit und Emotionalität, Reizbarkeit, große
Ängstlichkeit, sich schwach fühlen, innere Unruhe, Gedächtnisfehler, reduzierte
intellektuelle Agilität, allgemeine Müdigkeit, reduziertes Interesse in die
Umwelt, Hypochondrie, reduzierte Libido, erektile Dysfunktionen. Alle genannten
Erscheinungen können Symptome einer klinischen Depression sein, die mittels
einer Testosteron-Ersatz-Therapie beseitigt werden können.
Nach neueren Erkenntnissen gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem
Testosteronspiegel und Arteriosklerose. Niedrige Hormonspiegel erhöhten das
Infarktrisiko und senkten die 6-Monate-Überlebensrate (Jeppesem et al.
1996).
Betrachtet man die heutigen Kenntnisse über Testosteron, so fragt man sich,
warum eine Hormon-Ersatz-Therapie für Männer nicht schon lange so
selbstverständlich ist wie für die Frau. Nach allem, was die Wissenschaft
darüber heute weiß, sollte man bei allen Männern über 40 Jahre genau so
standardmäßig einen Hormon-Ersatz in Erwägung ziehen, wie dies bei Frauen gang
und gäbe ist.
Frauen empfiehlt man den Hormonhaushalt mittels Zufuhr natürlicher
Phytoöstrogene (Soja) wieder herzustellen. Männern empfiehlt man Ähnliches,
indem sie den Anteil des freien Testosterons erhöhen z.B. durch Zufuhr von
Chrysin (siehe Bestandteile von Mira Forte, weiter unten).
Allmählich sieht man auch Zusammenhänge zwischen der Wirksamkeit von
pflanzlichen Aphrodisiaka, Medikamenten und psychischen Problemen bzw.
Grundhaltungen. Während die einen begeistert von der Wirkung von z.B. Yohimbe
berichten, reagieren andere überhaupt nicht darauf. Wahrscheinlich können
Aphrodisiaka wie Yohimbe nichts ausrichten, wenn gleichzeitig bestimmte
Medikamente genommen werden oder psychische Schwierigkeiten die Ursache von
nachlassender Libido bzw. Erektionsproblemen sind.
Die Life Extension Foundation, Hollywood, Florida, USA, beschäftigt
sich schon seit Jahren mit Aphrodisiaka – in den USA etwas verschämt prosexuelle
Substanzen genannt – und entwickelte u.a. die Rezepturen für Natural Sex
Men bzw. Women auf homöopathischer Basis und Mira Forte. Beide
Produkte wurden zum Renner.
Da jeder anders reagiert, kann es lohnen, etwas zu experimentieren – Spaß
machts sowieso. Arginin ist ein weitgehend unbekannter Klassiker in Sachen
Erektion, Niacin wird von vielen als „Betthupferl“ geschätzt; Yohimbe oder Muira
Puama gehören zu den traditionellen Mitteln. |