| Letztendlich weiß man noch sehr wenig über die
Entstehung. Während man die Arthrose als degenerativen (altersbedingten)
Verschleiß sieht, ordnet man die Arthritis den Entzündungskrankheiten zu.
Die Knochenenden sind bei beweglichen Gelenken mit Knorpel überzogen und
werden von einer Gelenkkapsel umgeben. Dazwischen liegt die Synovialmembran.
Knorpel und Synovialflüssigkeit sorgen dafür, dass die Gelenkflächen sich
reibungslos bewegen können. Der Knorpel ähnelt einer gelartigen Substanz mit
schockabsorbierender Wirkung. Er erhält seine Elastizität durch seinen
schwammartigen Aufbau aus collagenen Fasern und Wasser. Letzteres wird durch
große Moleküle, den Proteoglykanen, gewissermaßen fixiert. Der Knorpel enthält
weder Blutgefäße noch Nerven. Collagen und Proteoglykane werden von
spezialisierten Zellen, den Chondrozyten, hergestellt. Mit fortschreitendem
Alter kann es zur Degeneration des Gelenks kommen. Der Knorpel verliert
allmählich seine Elastizität.
Die Arthritis ist eine chronische, in Schüben verlaufende entzündliche
Erkrankung, die in erster Linie die Gelenke betrifft, sich aber auch auf Organe
ausweiten kann. In einigen Fällen können die Augen, der Herzbeutel, das
Lungenfell und andere innere Organe betroffen sein. Mit fortschreitender
Gelenkzerstörung kommt es zu typischen Verformungen, zum Beispiel an den Händen
oder Füßen. Faktoren wie Viren/Bakterien, Fehlernährung, ein Mangel an
ungesättigten essenziellen Fettsäuren und psychische Probleme werden als
mögliche Ursachen diskutiert. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Generell unterscheidet man heute zwei Formen: Bei der Osteoarthritis
ist das Knorpelgelenk nicht in der Lage, sich selbst zu erhalten bzw. zu
reparieren. Es handelt sich demnach um eine Art Verschleiß, gekennzeichnet durch
Abbau bzw. Abtragung des Knorpelgewebes, oft verbunden mit Einschränkung oder
Verlust der mechanischen Gelenkfunktionen und mehr oder weniger chronischem
Schmerz. Die ersten Symptome sind Steifheit der Gelenke, Gelenkschmerzen
und/oder Einschränkungen in der Beweglichkeit. In schweren Fällen zerfällt der
Gelenkknorpel vollständig, wodurch die Knochen aneinander reiben.
Funktionsverlust und starke Schmerzen sind die Folgen.
Bei der rheumatischen Arthritis handelt es sich wahrscheinlich um
einen so genannten Autoimmundefekt. Dabei wird die Auskleidung der Gelenke
angegriffen, schwere Infektionen und Gelenkdeformierung folgen, einhergehend mit
Funktionsverlust und chronischen Schmerzen. Die anfänglichen Symptome sind
Schwellungen, Funktionseinschränkungen und zunehmende Schmerzen in verschiedenen
Gelenken.
Weitere klinische Varianten: Gicht, Bechterew’sche Krankheit,
Karpaltunnelsyndrom, Hexenschuss (Lumbago), Bursitis, Tennisarm, Arthritis
psoriatica, Reiter’sche Krankheit, Still’sche Krankheit. Ob und inwiefern all
diesen Erscheinungsformen aus einer einheitlichen Ursache gespeist werden, lässt
sich derzeit nicht sagen.
Das Knorpelgewebe der Gelenke ist nämlich für ein breites Spektrum an
Umwelteinflüssen anfällig. Entzündet sich ein Gelenk, dann wird die Blutzufuhr
dadurch eingeschränkt. In der Regel wird zuerst das Gefäßsystem blockiert, was
die Reparaturmöglichkeiten einschränkt. Dies zieht mittelfristig einen
Zusammenbruch des natürlichen Antioxidanzien-Enzym-Systems nach sich, und die
Freien Radikale haben gewissermaßen „freie Bahn“. Schließlich gerät das
Immunsystem völlig durcheinander und attackiert das körpereigene Knorpelgewebe.
Die ursprünglich kleinen Schädigungen am Anfang der Erkrankung ziehen demnach
eine erhöhte Radikalenbildung nach sich, die wiederum den Gelenkstrukturen und
der Synovialflüssigkeit noch weiter zusetzen. Die Aktivität der Freien Radikale
kann eine Kaskade von Autoimmundefekten auslösen, gefolgt von einem
Strukturverlust im Knorpelgewebe und Funktionseinschränkungen. Viele Ärzte
akzeptieren dieses Krankheitsgeschehen als „normalen“, unumkehrbaren,
fortschreitenden Verfall bei Arthritis und zucken hilflos mit den Achseln, wenn
der Patient wissen will, wie sich die Krankheit vermutlich weiterentwickeln
wird.
Die Schulmedizin setzte zur Behandlung hauptsächlich Kortikosteroide und
nicht-steroidhal-tige entzündungshemmende Medikamente (Aspirin, Ibuprofen) ein.
Auf kurze Sicht lindern diese Substanzen den Schmerz und erscheinen dem
Patienten daher wirkungsvoll. Langfristig aber schädigen sie mehr, als sie
nutzen. Nach derzeitigen Schätzungen sterben in den USA durch die Nebenwirkungen
von Arthritismedikamenten etwa 7.000 Patienten pro Jahr; außerdem werden rund
70.000 Klinikaufenthalte verursacht. Am schlimmsten ist jedoch der Umstand, dass
diese Medikamente nichts an den Ursachen ändern, was langfristig zu völlig
versteiften Gelenken führen kann. Viele herkömmliche Medikamente verhindern
sogar die natürlichen Reparaturmechanismen im Gelenk: Man stellte fest, dass der
Funktionsverlust umso schneller eintritt, je höher entzündungshemmende
Medikamente dosiert werden. Aufgrund dieser geringen Erfolge mit konventionellen
schulmedizinischen Methoden ging man verstärkt dazu über, natürliche Mittel
einzusetzen, zumal sie ohne Nebenwirkungen sind und neuere Untersuchungen die
Effektivität dieser Therapien bei Schmerz und Infektionen belegen.
Studien ergaben, dass ein Antioxidanzien-Defizit oft ein wesentlicher Faktor
für den Beginn der Erkrankung war. Antioxidanzien können im frühen Stadium
manchem Betroffenen behilflich sein. Für fortgeschrittene Stadien sind noch
eingehendere Untersuchungen erforderlich.
Zur Bekämpfung der Osteoarthritis gilt es an zwei Punkten anzusetzen:
Einerseits sind Knor-pelgewebe und Gelenkflüssigkeit vor weiteren Zerstörungen
zu schützen, andererseits müssen die anabolen (aufbauenden) Mechanismen
stimuliert werden. Entscheidend sind hier die so genannten chondroprotektiven
Fak-toren. Es handelt sich dabei um den Um-, An- und Abbau bestimmter Zellen wie
Chondro-blasten (zellaufbauend) und Chon-droklasten (zellabbauend), die für
einen Erhalt der Funktion sorgen. Dieses Zusammenspiel ist ein ebenso
komplexer wie empfindlicher Mechanismus, der durch Alterung und/oder
Beschädigungen gestört werden kann.
Biochemisches Rätsel
Die wirklich fundierten Kenntnisse in Sachen Arthritis sind leider
dünn. Zumindest weiß man, dass es im Organismus zwei Hauptentzündungswege gibt:
COX und LOX (cyclooxygenase und lipoxygenase).
COX-2 produziert Prostaglandine, die Schmerz und Infektionen auslösen. COX-1
jedoch wird benötigt für den Schutz der Magenoberfläche. Das allgemein bekannte
Aspirin und weitere so genannte NSAIDs (nicht-steroidale Entzündungshemmer)
galten lange Zeit als Mittel der Wahl. Sie blockierten jedoch beide
COX-Formen.
Während die Blockade von COX-1 zu der gewünschten Schmerzlinderung führt,
kann die Behinderung von COX-2 zu Magenbeschwerden bis hin zu blutenden
Magengeschwüren führen. Das übliche Dilemma zwischen erwünschter Wirkung und
unerwünschter Nebenwirkung. Entsprechend begeistert wurde die neue Generation
der COX-2-Hemmer begrüßt, die COX-2 blockierten und COX-1 weitgehend unbehelligt
ließen.
Unglücklicherweise wirken auch diese COX-2-Hemmer kontraproduktiv, da sie das
ausgeklügelte System, mit dem der Organismus den Entzündungen zu begegnen
versucht, durcheinander bringen.
Man geht heute davon aus, dass Cytokine und Enzyme der Anfang des
Entzündungsgeschehens sind. Diese Entzündung attackiert wiederum das Collagen
der Gelenke. Cytokine sind für die Nachrichtenübermittlung der Zellen in Sachen
Entzündung und Immunität zuständig. Die Cytokine TNF-alpha (tumor
necrosis factor alpha) und IL-1 beta (Interleukin one beta) spielen bei
der Osteoarthritis eine wichtige Rolle (1). In Tierversuchen konnte gezeigt
werden, dass die Unterdrückung von TNF-alpha zu verminderten Infektionen führte,
während die Unterdrückung von IL-1 beta die Zerstörung des Gelenkknorpels senkte
(2). Bei der rheumatoiden Arthritis spielt TNF-alpha gar eine Schlüsselrolle bei
der Entzündung und Gelenkzerstörung (3, 4).
Man vermutet, dass die Hemmung des COX-2 zu einer Dysbalance zwischen zwei
weiteren Schlüsselmediatoren führt, was letztendlich zu einer vermehrten
Produktion der Cytokine TNF-alpha und IL-1 beta führt. Das würde bedeuten,
dass die neuen COX-2-Hemmer zwar die oberflächigen Symptome beseitigen, aber das
eigentliche Entzündungsgeschehen, ähnlich wie die älteren COX-Hemmer am Laufen
halten (5).
Zwei Wege der Entzündung
Wie vorher bereits erwähnt, kennt der Organismus zwei Entzündungswege, die
beide von der Vorstufe Arachidonsäure ausgehen. Es macht also wenig Sinn, den
einen Weg zu blockieren und den anderen zu vernachlässigen. Medikamente, die
beide Wege blockieren können, blockieren allerdings auch unterschiedslos beide
COX-Formen. Das zieht wiederum einen so genannten „Rebound-Effekt“
(Rückkoppelung) auf die Infektionssignale nach sich. Noch zwei Wochen nachdem
die Einnahme von Aspirin oder Ibuprofen abgesetzt worden war, konnte eine um
etwa das Doppelte erhöhte Konzentration von TNF-alpha und IL-1 beta nachgewiesen
werden (11). Die beiden Substanzen, die man eigentlich unterdrücken will und
soll, wurden in Wahrheit erhöht. Die selektive Unterdrückung von COX-2, zusammen
mit TNF-alpha und IL-1 beta, wird damit jedenfalls nicht erreicht.
Zunehmend wird auch der Schulmedizin klar, dass Big Pharma – außer
vollmundigen Behauptungen – nichts zu bieten hat und seit längerem wendet man
sich daher verstärkt den natürlichen Substanzen zu. Es gilt das
Entzündungssystem zu durch-brechen bzw. zu blockieren und den beschädigten
Knorpel wieder aufzubauen. Was bietet die Natur?
Die vielen verschiedenen Produkte auf dem NEM-Markt spiegeln die
unterschiedlichsten denkbaren Ansatzpunkte wieder. Das wissenschaftliche
Fundament einer eher amerikanisch orientierten Mischung ist nachstehend
umschrieben: |