| Die Diskussion über Antioxidanzien lässt leicht
vergessen, dass deren Aktivität auch von ausreichend Spurenelementen/Mineralien
abhängt. Sie sind gleichzeitig Bestandteil vieler Stoffwechselvorgänge. „Die
wichtigsten dieser Prozesse sind die zelluläre Atmung, der zelluläre Verbrauch
von Sauerstoff, DNA- und RNA-Reproduktion, Aufrechterhaltung der
Zellmembranintegrität und die Abtrennung Freier Radikale“ (Clin. Lab. Med.,
1998 Dec; 18 (4), S. 673–58).
Die Beweise, dass eine geringe Zufuhr von Spurenelementen wie Chrom, Kupfer,
Zink und Selen mit abnormalem Lipidmetabolismus, folglich auch
Herzgefäßerkrankungen zusammenhängt, nehmen sowohl in Tier- als auch
Humanstudien zu. Chrom verbessert den HDL-Anteil und senkt die Triglyceride und
Cholesterin, sowohl im kranken als auch im gesunden Menschen. Selen ist
beteiligt an der Blutplättchenaggregation. (Acta. Pharmacol. Toxicol.,
Denmark, 1986)
Die unterschiedlichsten Bezeichnungen und Einteilungen in Sachen Makro- bzw.
Mikronährstoffen tragen auch im Bereich der Mineralien/Spuren-elemente nicht
gerade zur Klarheit bei. Die für eine Betrachtung des menschlichen Stoffwechsels
wichtigen Mineralien (Calcium, Magnesium u.a.) und Spurenelemente (Selen, Eisen
u.a.) unterscheiden sich vor allem durch ihren mengenmäßigen Bedarf. Mineralien
wie Calcium zählt man zu den Mengen- bzw. Massenelementen (auch
Makronährelemente), weil der organische Bedarf im Grammbereich liegt.
Spurenelemente wie Zink, Selen usw. werden hingegen nur in kleinsten Mengen,
d.h. im Microgrammbereich, benötigt. Darüber hinaus findet man noch die
Bezeichnung Bioelemente, mit denen der Wissenschaftler alle Elemente
meint, die am Aufbau der Körpersubstanz von Lebewesen beteiligt sind, also auch
Sauerstoff (O), Kohlenstoff (C) usw.
Manche Autoren verwenden Begriffe wie „Bioelemente“ zur Abgenzung von
„leblosen Elementen“. Das ergibt keinen rechten Sinn. In allen Fällen geht es
hierbei um Elemente, also Atome, die der Mensch nicht herstellen (aber
verändern) kann. Elemente stammen immer aus der Natur und sind so gesehen immer
„bio“, ansonsten aber „leblos“.
Egal nun welche Substanz man betrachtet: Bereits das Atom kann in
verschiedenen Zuständen (Wertigkeiten) vorliegen. Das geht zwar etwas weiter in
die Chemie hinein, ist aber entscheidend für ihren Wert für uns. So ist z.B.
Chlor essenziell für den Menschen, aber keineswegs in jeder Form. Chlor kann als
Ion vorkommen wie in Kochsalz (NaCl), aber auch als sehr aggressive Substanz
(z.B. im WC-Reiniger). Selen kommt in mehreren so genannten Wertigkeiten vor.
Das hat etwas mit der Anzahl der Elektronen zu tun, die das Selen haben kann,
und ist nicht nur von akademischem Interesse. Pflanzen können vermutlich nur
sechswertiges Selen aus dem Boden aufnehmen, und wenn saurer Regen die
Wertigkeit des Selens ändert, dann mag es zwar noch reichlich von diesem Element
im Boden geben, aber verfügbar wäre es nicht mehr. Deswegen sind Defizite bei
den Mineralien/Spurenelementen recht häufig: Man vermutet, dass Überdüngung und
Übersäuerung zu einer Auswaschung und Verarmung des Bodens führte, und was die
Pflanze deswegen an Elementen nicht aufzunehmen vermag, kann auch nicht beim
Menschen landen.
Verwirrenderweise sind Elemente wie Eisen, Selen, Zink usw. einerseits
essenzielle Bestandteile unserer Nahrung, andererseits Schwermetalle, die Umwelt
und Organismus belasten. Während Schwermetalle wie Blei und Quecksilber auch in
kleinsten Mengen für den Menschen unverträglich sind, definiert sich die
Schädlichkeit der Schwermetalle Selen und Eisen usw. über ihre Menge. Kleine
Mengen sind lebensnotwendig, größere Mengen Schaden. Leider gibt es auch in
diesem Bereich keine einfachen Regeln, nach denen sich Verfügbarkeit und
Qualität von Elementen, Spurenelementen oder Mineralien allgemein beurteilen
ließen.
Der Zustand, in dem ein Element vorliegt, ist für den Verbraucher in aller
Regel bedeutungslos, denn dies gilt nur für das isolierte Atom und das existiert
nur im Labor bzw. kurzfristig im Stoffwechsel des Organismus. Der Verbraucher
sollte allerdings bei den empfohlenen Dosierungen und der Beurteilung von
entsprechenden Ergänzungen die oftmals irreführenden Herstellerangaben zu deuten
verstehen. Elemente verbinden sich mit anderen Substanzen und kommen daher in
den unterschiedlichsten Verbindungen vor. So bestehen gängige Calciumpräparate
z.B. aus Calciumkarbonat, -glukonat oder auch -citrat. Selen
ist meist mit einer Aminosäure verbunden wie beispielsweise Selenomethionin.
Der Gewichtsanteil des eigentlichen Elements ist demnach nur ein Teil des
gesamten Molekülgewichts. Viele Hersteller geben (absichtlich?) nur das
Molekülgewicht an und verschweigen, dass der „elementare Anteil“ viel geringer
ist. Die empfohlenen Dosierungen – egal aus welcher Quelle – beziehen sich
jedoch auf das Element allein, also den „elementaren Anteil“. 1.000 mg
Calciumcitrat enthält beispielweise ca. 200 mg elementares Calcium. Wenn man
also der Dosierungsempfehlung von z.B. 1.000 mg Calcium pro Tag folgen möchte,
dann sind 5.000 mg Calciumcitrat erforderlich. |