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Bei der MCS, der Multiple Chemical Sensitivity bzw. der Multiplen Chemikalien Sensibilität, handelt es sich um eine erworbene Empfindlichkeit gegenüber mehreren Noxen.

Diese erworbene Krankheit ist kaum mit anderen Erkrankungen vergleichbar (R.Koch-Institut 2003). Es ist eine chronische Krankheit, deren Symptome triggerabhängig in mehreren Organen auftreten.

MCS zählt zu den so genannten Umwelterkrankungen zu denen auch das Chronische Müdigkeits Syndrom (CFS), Sick-Building-Syndrom (SBS), Fibromyalgie (FM), teilweise auch das Attention-Deficit-Syndrom (ADS), Toxische Enzephalopathie (TE), Neurodermitis, Reaktive Depressionen usw. gerechnet werden.

MCS wird in den Kreis der Systemischen Entzündungen eingegliedert, d.h. inflammatorische Prozesse (Entzündungen) führen zur Beschleunigung des Stoffwechsels, zur unzureichenden Energieversorgung und zur über-mäßigen Freisetzung von sehr aggressiven Freien Radikalen wie Peroxyd und Superoxid (Prof. Huber/Messerschmidt). Man spricht daher auch von einem toxisch induzierten Toleranzverlust gegenüber verschiedensten Noxen.

Die World Health Organisation (WHO) ordnet MCS daher den schweren Verletzungen durch Vergiftung zu. Dies kann zu irreversiblen Zellschädigungen, unterschiedlicher Ausprägung, führen. Die Symptome können daher unterschiedlich schwer sein und von Befindlichkeitsstörungen bis zu lebensbedrohlichen Zuständen reichen. 15 bis 30% der deutschen Bevölkerung sollen leichte bis mittelschwere Symptome haben. Laut einer US-Studie haben 4 bis 6% der US-Bürger schwere Symptome.

Zu den Symptomen zählen:

Müdigkeit trotz ausreichender Nachtruhe, unerklärliches Über- oder Untergewicht oder sogar schnell wechselndes Gewicht, intermittierende Schwellungen am Körper, Suchtsymptome, Hyperaktivität, Lichtempfindlichkeit, Verstopfung ebenso wie Durchfall, Hunger, Durst, Blähungen, Sehstörungen, Bewusstlosigkeit, Schluckbeschwerden, Schwindel, Periphere Neuropathien u.v.a.m. Die lange Reihe teils gegensätzlicher Symptomatiken, verbunden mit mal akuten, mal chronischen Zuständen, führt zu einem „diffusen“ Krankheitsbild, dem die meisten Mediziner (und Krankenkassen) ratlos gegenüberstehen.

Als bekannte Auslöser für MCS nennt das Canadian Health Network: Farben, Teppichböden, Plastik, Parfüm, Pflanzen, Rauch, Weichspüler, Waschmittel, Konservierungsstoffe, Presspan, Reinigungsmittel, Toilettenpapier usw., was in der Gesamtproblematik allerdings auch keinen Schritt weiter bringt.

Zu allem Überfluss sind Umweltkrankheiten, chronische Müdigkeit, Allergie, Sick-Building-Syndrom, Fibromyalgie u.a. nicht immer einfach von dem MCS-Krankheitsbild zu unterscheiden. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass all diese „diffusen“ Erkrankungen die gleiche Ursache haben könnten, nämlich eine Erschöpfung der Mitochondrien.

Für die Diagnose greift man daher auf  so genannte Fallkriterien zurück:

* Initiale Symptome im Zusammenhang mit einer belegbaren Expositionssituation (jedoch ggf. auch einschleichender Beginn).

* Die Symptome werden bei der gleichen Person durch unterschiedliche chemische Stoffe bei sehr geringen Konzentrationen (auf die andere Personen im Allgemeinen nicht mit Gesundheitsbeschwerden reagieren) ausgelöst.

* Die Symptome stehen mit der Exposition in erkennbarem Zusammenhang (Symptome durch Exposition reproduzierbar; Besserung bei Expositionskarenz).

* Die Symptome treten in mehr als einem Organsystem auf (nicht in allen Falldefinitionen gefordert).

* Es handelt sich um eine länger anhaltende („chronische“) Gesundheitsstörung.

* Die Beschwerden sind nicht auf bekannte Krankheiten zurückzuführen.

Das Diagnostikproblem vereinfacht: Kann man die Symptome auf irgendeine Ursache zurückführen wie z.B. Allergie, dann handelt es sich nicht um MCS.

MCS liegt vor, wenn eine erhöhte, übermäßige oder ungewöhnliche Reaktion auf bekannte oder unbekannte Expositionen auftritt. Allerdings verschwinden die Symptome nicht vollständig, wenn die Belastung nicht mehr gegeben ist. Die „Sensitivität“ kann sich auch auf andere Stoffe ausdehnen. Die Betroffenen zeigen erhöhte Reaktion auf Stoffe im Vergleich zu anderen Personen; eine Reaktion bei niedrigeren Dosen als diejenigen, die andere Personen beeinträchtigen; und/oder eine Reaktion zu einem früheren Zeitpunkt als dem für andere Personen zutreffenden Zeitpunkt.

Das MCS-Problem gipfelt in einem fast undurchschaubaren Tohuwabohu. Meistens sind irgendwelche Kausalitäten nicht erkennbar. So kann die Substanz X zu einer Sensibilisierung gegenüber Substanz Y geführt haben, d.h., X löst selbst nichts aus, ist aber der Initiator. Denkbar ist auch, dass X und Y zusammen zu einer Reaktion gegenüber Z führen, d.h., X oder Y oder Z allein verkraftet der Organismus, die Kombination nicht. Es kann auch sehr irritierend wirken, das MCS-Patienten gegenüber der entsprechenden Substanz unempfindlicher re-agieren als Personen, die allergisch für diese Substanz sind. Die sensibilisierten Personen liegen also nicht am Rand einer Normalverteilung, sondern sind eine gesonderte Teilmenge. Initiator der MCS-Erkrankung können sowohl (toxische) Substanzen als auch andere Belastungen (z.B. Stress) sein.

Weil viele Ärzte mit einer Diagnose überfordert sind, die Patienten deswegen eine Einstufung als Hypochonder riskieren, landen etliche von ihnen in der Psychiatrie. Denn die Symptome können Formen annehmen, die zu massiven psychischen Veränderungen führen. Es sind vor allem die psychischen Veränderungen, die wiederum Therapien nach sich ziehen können, die gründlich an der Sache vorbeigehen und die Lage damit nur noch verschlimmern. Bei Über- oder Untereinschätzung, Größen- oder Verfolgungswahn, Phobien aller Art usw. kommt der Mediziner (verständlicherweise) nicht unbedingt darauf, dass es sich um eine mehrfache chemische Sensibilität handeln könnte. Denn auch Alkoholiker weisen diese Eigenschaften auf.

Im Allgemeinen ist die Suche nach der Ursache für MCS ein sinnloses Unterfangen und ähnelt eher einem Ratespiel als einer gezielten wissenschaftlichen Annäherung. So werden Amalgamplomben  bzw. Quecksilber häufiger als Ursache für eine undifferenzierte Allergiereaktion bzw. MCS gesehen, aber allein mit dem Austausch gegen andere Füllungen ist der Organismus noch lange nicht wieder im Lot. Ein Schadstoff (z.B. Quecksilber) kann sich über Jahre hinweg im Organismus angereichert haben und wirkt dort noch sehr lange weiter. Bei MCS kommt noch hinzu, dass der ursprüngliche Initiator (z.B. Amalgam) zu einer Sensibilisierung gegenüber anderen Substanzen geführt haben kann, die auch dann noch weiter wirkt, wenn der Initiator (z.B. Amalgam) schon längst entfernt worden ist.

Während etliche Allergene eindeutig als Schadstoffe einzustufen sind, können Folgereaktionen Substanzen betreffen, die nicht als solche anzusehen sind. Eine PCP-Überbelastung mag zu einer Erdbeerallergie geführt haben. Dass man Erdbeeren schließlich meidet und für die Symptome verantwortlich macht, ist verständlich, das PCP ist jedoch der Initiator gewesen.

Vorläufiges Fazit:

Ob der MCS-Patient über mehr oder weniger lange Zeit einem oder mehreren toxischen Substanzen ausgesetzt war oder die Initialisierung (der Sensitivität) durch einen anderen Stressor erfolgte, ist möglicherweise von untergeordneter Bedeutung. In jedem Fall kann man von einer zu langen Periode des oxidativen Stresses ausgehen. Es wäre plausibel, wenn dies zu einer völligen Erschöpfung z. B. der Mitochondrien geführt hat.

Wenn sich dies als eigentliche Ursache für MCS und weitere Erkrankungen bestätigen sollte, dann wären die „diffusen“ jedoch teilweise lebensgefährlichen Symptome nicht länger exotisches Krankheitsbild sondern verdammt logische Folge. Denn basaler geht’s nimmer.

Die Arbeit der Mitochondrien ist die Energiegewinnung und diese Energie ist wiederum unabdingbare Voraussetzung für ALLES.

Therapien

Auf die üblichen Vorschläge in Sachen Histamintabletten und/ oder -salben, Nahrungsumstellung und/oder Allergenvermeidung soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Über den Erfolg von Saunagängen, Miller-Therapie, Infusionstherapie mit Entgiftungsfördernden Substanzen, Sauerstofftherapie, Klimawechsel, Biokost, Zahnsanierung usw. kann bestenfalls von Fall zu Fall eine Aussage gemacht werden.

An der Antioxidanzienfront wäre als erste Maßnahme die Wiederherstellung des Energiehaushalts der Mitochondrien zu erwägen. Darüber hinaus müssen die Nährstoffe im Körper wahrscheinlich erhöht werden, um die Symptome zu minimieren (oder gar völlig zu beseitigen). Es gilt jedoch gerade in diesem Bereich, dass Betroffene möglicherweise sehr empfindlich auf empfohlene Substanzen reagieren.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie also bitte ihren Arzt oder Apotheker – auch wenn die davon wahrscheinlich keine Ahnung haben …

Hoch dosierte Basisnährstoffe („Multivitamine“) bewirken eine allgemeine Erhöhung der Antioxidantien im Körper. Die Wirkung setzt meistens sehr allmählich ein. Betroffene berichteten, dass die Symptome über eine Einnahmezeit von Jahren hinweg kontinuierlich abnahmen und schließlich völlig verschwunden waren. Reicht dies nicht aus, um den Reaktionen Herr zu werden, müssen weitere Substanzen (gleichzeitig oder nacheinander) ausprobiert werden.

Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren (Borretschöl, Schwarzkümmelöl, Fischöl u.a.) gelten wegen der antientzündlichen Eigenschaften als Mittel der Wahl. Der z.B. in Borretsch enthaltene Wirkstoff Gammalinolensäure (GLA), eine Omega-6-Fettsäure, bewährt sich immer wieder bei der Milderung etlicher allergischer Reaktionen. Da manche Omega-6-Fettsäuren zur Überproduktion der Arachidonsäure führen können, empfiehlt man gleichzeitig die doppelte Menge Omega-3-Fettsäuren (Fischöl, Perilla), um diesen Effekt aufzuheben.

Magnesium/Calcium. Vor allem Asthmatiker profitieren von Magnesium. Man empfiehlt 500 bis 1.000 mg täglich. Auf jeden Fall nicht mehr als die „Durchfallgrenze“. Diese Grenze lässt sich übrigens mit der Zufuhr von Calcium (etwa gleiche Menge wie Magnesium) etwas hinausschieben. Man sollte Calcium/Magne-sium nicht gleichzeitig mit den Fettsäuren einnehmen, da sie sich gegenseitig behindern.

Vitamin C. Dieses „Allround-Vitamin“ ist vor allem als immunstimulierende Substanz bekannt. Aber es ist auch ein natürliches Antihistaminikum. Meist werden Dosierungen zwischen 2,5 und 12 g täglich gut vertragen (Stuhlgangstoleranz beachten!).

Proanthocyanidine.  Diese Stoffe behindern die Bildung des Histamins und tragen dadurch zu einer natürlichen Symptomunterdrückung bei. Darüber hinaus unterstützen sie die Wirkung von Vitamin C. Bei Allergien empfehlen Experten 100 bis 300 mg Proanthocyanidin täglich.

(N-Acetyl-)Cystein. Oft hilft auch diese sekretlösende Aminosäure. Empfohlene Dosierung 1.200 mg/Tag.

Brennnesselextrakt. 750 mg/Tag.

Pantothensäure. 2 x 300 bis 500 mg Vitamin B5.

Mitochondrien. Da man vermehrt Hinweise gefunden haben will, dass mitochondriale Erschöpfungszustände (auch) bei MCS eine zentrale Rolle spielen, wäre eine Substitution mit Co-Enzym Q10, Carnitin, Alpha-Liponsäure und/oder speziellen Präparaten zur Energieversorgung der Mitochondrien möglicherweise sinnvoll.

Hericium erinaceus. Der Igelstachelbart, ein Pilz aus China, sollte vermutlich als Basistherapie immer eingesetzt werden. Der Pilz fördert den Aufbau der Darmflora; allergieauslösende Stoffe können nicht so leicht die Darmwand passieren, was vor allem bei Nahrungsmittelallergien von Bedeutung ist. Mit Hericium wird bei Neurodermitis der Darm saniert. Inwiefern Pilze auch bei MCS greifen, ist noch nicht klar.

Polyporus umbellatus. Der Pilz wird eingesetzt bei zu viel Flüssigkeit und Schleim im Körper. Gilt als hilfreich bei allergischem Schnupfen und Neurodermitis (Lymphabfluss).

Ganoderma lucidum (Reishi). Der glänzende Lackporling gilt als Mittel der Wahl bei allergischem Schnupfen, allergischem Asthma, Nahrungsmittelallergie, Kontaktallergie. Bei Neurodermitis unterstützt man mit Reishi die Leberfunktion im Sinne einer Entgiftung, man nutzt die dem Kortison ähnliche Wirkung auf die Haut. Seelische Belastungen können mit Reishi besser verarbeitet werden.

Cordyceps militaris. Dieser Pilz wird eingesetzt, wenn der Organismus durch eine Allergie stark geschwächt ist, was z.B. bei allergischem Asthma vorkommt.

Ferner: Ginseng, NADH, Glutamin, Adapton, Folsäure, Süssholz, Tyrosin.

Japanische Studie zeigt, Chemikaliensensibilität kann nachgewiesen werden

Übersetzung und Zusammenfassung Silvia K. Müller / CSN, Jan. 2006

Zusammenfassung: Moderne Gebäude haben oft schlechte Belüftung, was zu ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden führen kann.  Sick Building Syndrom und Chemikaliensensibilität sind zu einem internationalen Begriff geworden. Ein Wissenschaftlerteam der Universität Tokio vom Institut für Umweltstudien führte eine Nachweisstudie mit Chemikaliensensiblen und Kontrollpersonen durch. Es konnte festegestellt werden, dass Chemikalien ursächlich für Hypersensibilitätsreaktionen bei MCS Patienten sind und solche Patienten auf extrem niedrige Konzentrationen reagieren.

Ausgangsituation

MCS – Multiple Chemical Sensitivity ist, auch in den Augen der japanischen Wissenschaftler, als Resultat der modernen Gebäudetechnologie ohne großen Luftaustausch, zu einem schwerwiegenden Problem geworden. Der Mechanismus von MCS ist bisher unklar. Die japanischen Wissenschaftler sahen es als Herausforderung für ihre Studie an, verantwortliche Chemikalien und ihre spezifischen Expositionswerte, im Zusammenhang mit Hypersensibilitätsreaktionen von Patienten zu identifizieren.

Methode

Das Team überprüfte die Exposition von 15 MCS Patienten in Bezug auf  Carbonylverbindungen und VOC’s (Lösemittel), indem sie die AS/PS Methode (Aktiv- / Passivsammlermethode) einsetzten. Dabei muss ein Patient während der ganzen Studiendauer beide Sammler am Körper tragen. Der Passivsammler dokumentiert während der gesamten Zeit die persönlichen Expositionen, denen der Studienteilnehmer ausgesetzt ist. Der Aktivsammler wird vom Patienten selbst aktiviert, sobald und solange er eine Reaktion verspürt und sammelt zu diesem Zeitpunkt die Chemikalien aus der Umgebungsluft, um die Exposition zu dokumentieren. Auf diese Weise wird der Auslöser der jeweiligen Hypersensibilitätsreaktion konkret ermittelt.

Ergebnis

Das Ergebnis der japanischen Studie bewies deutlich, dass die Chemikalien, die Hypersensibilitätsreaktionen bei MCS Patienten auslösen, von Patient zu Patient variieren. Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler aus Tokio fest, dass die Chemikalienkonzentrationen während den dokumentierten Hypersensibilitätsreaktionen weit unter den Richtlinien der WHO und der Japanischen Innenraumrichtlinien liegen.

Die durchschnittlich ermittelten Expositionswerte, die über den Zeitraum einer Woche ermittelt wurden, waren bei den MCS Patienten niedriger als bei der Kontrollgruppe ohne MCS. Ausnahmen waren einige wenige MCS Patienten, die auf ihrem Arbeitsplatz Chemikalien ausgesetzt waren. Dieses Ergebnis zeigte, laut der Wissenschaftler, dass MCS Patienten versuchen Expositionen zu vermeiden, bei denen sie Chemikalien ausgesetzt sind und die bei ihnen Symptome auslösen.

Quelle:

Shinohara N, Mizukoshi A, Yanagisawa Y.
Identification of responsible volatile chemicals that induce hypersensitive reactions to multiple chemical sensitivity patients.
Graduate School of Frontier Sciences, Institute of Environmental Studies, The University of Tokyo, 7-3-1 Hongo, Bunkyo, Tokyo 113-8656, Japan.

J. Expo. Anal. Environ. Epidemiol.2004 Jan;14(1):84-91


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