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Ist Übergewicht an sich schon eine Krankheit? Die Meinungen der Ärzte gehen
in dieser Frage stark auseinander. Die Gewichtszunahme, vor allem die mit den
Lebensjahren zunehmende Korpulenz, gehört zweifellos zu den grundlegendsten
Gesundheitsproblemen der Industrienationen. Das Übergewicht ist ein ständiger
Risikofaktor für Bluthochdruck, Altersdiabetes, Herzerkrankungen, Herzinfarkt
und verschiedene andere Krankheiten. Darüber hinaus gilt es als Hauptursache für
die von vielen Betroffenen empfundenen Antriebs- bzw. Energieverluste.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schätzt, dass die Kosten im
Gesundheitswesen durch ernährungsbedingte Krankheiten von 21 Milliarden Euro pro
Jahr (1980) auf 70 Milliarden Euro pro Jahr (2000) gestiegen sind.
Obwohl schon lange bekannt ist, daß Diätprogramme wegen des „Jojo-Effekts“
(stärkere Gewichtszunahme nach der Diät) wenig Sinn machen, werden die Medien,
insbesondere die Frauenzeitschriften, nicht müde, immer wieder angebliche neue
Programme anzupreisen. Grundkenntnisse über die Nahrungsverwertung sind offenbar
noch immer kein Allgemeingut. Trotz des zunehmenden Wissens über Ernährung,
nehmen Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten zu.
Viele Menschen leiden wegen bestimmter Stoffwechseleigenarten unter
Übergewicht, weswegen pauschalierte Diätprogramme auch kaum Sinn machen. Diäten
können ohnehin kaum wirkungsvoll sein, wenn sie mit bestimmten
Anpassungsmechanismen des Organismus kollidieren.
So berechnet man das Normalgewicht
Die altgediente sogenannte Broca-Formel mit der allgemein verständlichen
Faustregel „Körpergröße in Zentimeter minus 100 ergibt Normalgewicht“ wurde
zwischenzeitlich eingemottet. Heute gilt die Berechnung der Körpermasse oder der
sogenannte „Body-Mass-Index“ (BMI). Die Berechnung erfolgt folgendermaßen:
Körpergewicht in kg
BMI = --------------------------
Körpergröße in m2
Das heißt in der Praxis: Wer 70 kg wiegt und 1,70 m mißt, weist einen BMI von
24,2 kg/m2 auf und gilt hiermit gerade noch als normalgewichtig. Das
Normalgewicht liegt bei einem BMI zwischen 20 und 24,9 kg/m2.
Beispiel:
70
70
BMI = ----------- = -------- = 24,2
1,7 x
1,7 2,89
Ein BMI von 25 bis 29,9 kg/m2 bedeutet Alarm und signalisiert
Übergewicht. Von 30 bis 39,9 stehen alle Ampeln auf Rot -- der Betreffende
leidet an Adipositas (= Fettsucht). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes
sind rund 40 Prozent aller Deutschen übergewichtig und 16 Prozent (extrem)
fettsüchtig.
Es darf bezweifelt werden, ob der BMI der Weisheit letzter Schluss ist. Denn
man neigt schon länger dazu diesen Wert mit 10% „Zuschlag“ zu versehen – z. B.
je nach Alter und Körperform.
Apfel oder Birne?
Menschen mit einer apfelförmigen Statur (Fett vorwiegend im Bauchbereich)
haben ein größeres Risiko für Herzerkrankungen, Diabetes und Schlaganfällen als
jene mit birnenförmiger Körperform (Fett vorwiegend um die Hüften,
Oberschenkel). Männer neigen eher zur Apfel-, Frauen eher zur Birnenform. Die
apfelförmige Fettablagerung gilt als „riskanter“, weil sie tiefer im
Körperinneren stattfindet und praktisch immer einher geht mit den üblichen
Anzeichen (hohe LDL-Werte, Triglyceride, hoher Blutdruck, erhöhtem
Blutzuckerspiegel).
Frauen lagern Fette typischerweise etwas unterhalb der Körpermitte an, was
ein geringeres Gesundheitsrisiko bedeutet, da diese Fett unter der Haut liegen.
Manche Studien wollen gar einen schützenden Effekt festgestellt haben. Einige
Studien deuten darauf hin, dass Frauen, die Fett im mittleren Bereich und
Oberkörper ablagern, nach der Menopause einem erhöhten Risiko für Brustkrebs
ausgesetzt sind.
Die Gewichtsreduktion
Während der Mensch ein Übergewicht relativ leicht angegessen hat, stellt die
Gewichtsreduktion hingegen ein massives Problem dar. Hier greifen komplexe
Mechanismen. Bei der Gewichtsabnahme haben wir es mit der Verteidigungsstrategie
des gesamten Organismus zu tun, der sich sozusagen bis zur letzten Faser gegen
den Verlust von Kalorien = Energie wehrt. Es gehört zu seinem genetischen
Auftrag, zum Überleben keine Kalorie ohne weiteres herzugeben.
Die Nahrungsverwertung
Die mit der Nahrung aufgenommenen Kalorien werden vom Organismus erst mal zu
verwertbaren Grundbausteinen zerlegt. Beim Kohlenhydratstoffwechsel wird zum
Beispiel der eigentliche Energieträger, die Glukose (Zucker), gebildet. Um die
Körperzellen zur Aufnahme des Zuckers im Blut zu bewegen, schüttet die
Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus. Reagiert die Zelle darauf, dann wird
die Glukose aufgenommen und daraus Energie hergestellt. Die nicht verwertete
Glukose wandert mit dem Blut in die Leber- und Muskeldepots und wartet dort
sozusagen auf ihren Abruf. Eine weitere Glukosezufuhr überlädt diese
Lagerungsmöglichkeiten, die Glukose wird nunmehr als Körperfett gespeichert. Die
Zellen können jedoch auch eine Resistenz gegenüber Insulin entwickeln, das
heißt, sie akzeptieren den Befehl zur Glukoseverwertung nicht mehr. Mit
zunehmendem Alter verliert nicht etwa die Bauchspeicheldrüse die Fähigkeit,
Insulin zu produzieren, vielmehr sind es die Zellen, die diesen Hormonbefehl
nicht mehr ausführen. Das nennt sich dann Insulinresistenz.
Der Körper verfügt also über die Fähigkeit, die „Energie-Briketts“ (zum
Beispiel Glukose) entweder ohne Umwege in den diversen Zell-Hochöfen zu
verbrennen oder (in den Fettdepots) zu speichern -- ein natürlicher (und auch
sinnvoller) Mechanismus, denn ursprünglich war es wichtig, in Zeiten karger
Nahrungsaufnahme den Energieverbrauch zu drosseln, bis wieder Nahrung zugeführt
werden konnte. Wurde demnach weniger Nahrung gefunden, dann legte der Organismus
den Akzent auf Erhaltung der Energie und stellte die Kalorien in geringerem
Umfang zur Verfügung.
„Winterschlaf-Stoffwechsel“
Der Winterschlaf mancher Tiere verdeutlicht dies: In Zeiten mit geringem
Nahrungsangebot drosselt der Körper seine Energiebereitstellung und zwingt
einige Spezies zum Schlaf, bei dem sogar der Herzschlag extrem heruntergefahren
werden kann. Der Mensch reagiert ähnlich: Forcierte Kalorienrestriktion führt
demnach lediglich zu einem veränderten Verwertungsfahrplan im Körper, das heißt,
der Organismus stellt sich auf die geringeren Mengen ein und drosselt die
Verbrennung bzw. Energiebereitstellung. Diese Fähigkeit des
„Winterschlaf-Stoffwechsels“ war ursprünglich lebensnotwendig, läßt jedoch
Diäten meist in einem Teufelskreis enden. Die ersten Kilos sind zwar meist
schnell runter -- weswegen praktisch jede Diät zunächst gut zu funktionieren
scheint. Nach einer gewissen Zeit hat sich der Organismus jedoch umgestellt,
schaltet gewissermaßen auf „Winterfahrplan“, und jede weitere Gewichtsreduktion
wird sehr mühsam. Beim Beenden der Diät bzw. wenn auch nur geringfügig mehr
gegessen wird, tritt ein unangenehmer Effekt ein: Denn die jetzt vermehrt
zugeführte Energie wird verstärkt gespeichert. Der Mensch bringt anschließend
mehr Gewicht auf die Waage als vorher.
Mit zunehmendem Alter verschiebt sich die Verwertung der Kalorien in Richtung
„Speicherung“, das heißt: Es wird immer weniger Sofort-Energie zur Verfügung
gestellt.
Gegen diesen an sich sehr sinnvollen Stoffwechselmechanismus kommt kein
Diätprogramm an. Diätmaßnahmen sollten daher immer an mehreren Punkten ansetzen.
Man geht heute davon aus, daß zum Beispiel die geringere Kohlehydratverwertung
auf einen Mangel an bestimmten Stoffen, allen voran des Thyroid-Hormons,
zurückzuführen ist. Man nimmt an, daß die meisten Personen über 40 Jahre unter
einem subklinischen (mit herkömmlichen Methoden kaum nachweisbar!)
Thyroid-Mangel leiden. Bestätigt wird dies durch die Beobachtung, daß Personen,
die unter einer Überproduktion des Thyroid-Hormons (Hyperthyroidismus) leiden,
Gewicht verlieren.
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Klinische Tests zeigten wiederholt einen Zusammenhang zwischen
Kalorienrestriktion und nachlassender Thyroidkonzentration. Dadurch werden die
Zellen veranlaßt, weniger Glukose aufzunehmen, also auch weniger Energie zu
produzieren. Die Glukose wird statt dessen gespeichert. Die scheinbar
naheliegende Maßnahme, nämlich das Thyroidhormon zuzuführen, um die Zellen
wieder zur Verbrennung anzuregen, verbietet sich wegen möglicher Nebenwirkungen
(zum Beispiel gefährliche Zunahme der Herzfrequenz). Zur Gewichtsreduktion ist
die Zufuhr von Thyroidhormon also ungeeignet -- zumal davon ausgegangen werden
sollte, daß dieses Hormon zwar eine, aber keineswegs die einzige Ursache ist.
Nach derzeitigem Kenntnisstand lassen sich folgende Fakten festhalten:
1. Jede „Diät“ führt auf längere Sicht eher zum Gegenteil
und sollte daher unterlassen werden. (Lassen Sie sich von angeblich
revolutionären Diät-Methoden nicht in die Irre führen!). Dauerhafte
Gewichtsreduktion verlangt vom Betroffenen ebenso dauerhafte Änderungen in den
Lebens- und Ernährungsgewohnheiten.
2. Um den „Winterschlaf-Mechanismus“ erst gar nicht zu
aktivieren, rät man heute von forschen Diäten generell ab. Als Faustregel gelten
Gewichtsabnahmen von 500 g pro Woche -- mehr nicht! Das klingt nach wenig, sind
mit Ausdauer aber 52 Pfund im Jahr.
3. Entscheidend ist hierbei nicht ein bestimmtes
tägliches/wöchentliches Pensum, sondern die dauerhafte Richtung. Es ist
unwichtig, ob mal „gesündigt“ wurde oder nicht. Viel wichtiger ist es, „am Ball
zu bleiben“ und den eingeschlagenen Weg kontinuierlich zu verfolgen.
4. Diverse Substanzen können die sanften Maßnahmen zur
Kalorienreduktion lediglich unterstützen, aber nicht ersetzen. Ob man die
Gewichtsabnahme (500 g) nur durch geringere Nahrungszufuhr oder/und durch
vermehrte Aktivität erreicht, ist letztlich eine persönliche Entscheidung.
Folgende Substanzen können sehr hilfreich sein:
Sojaproteine Sie verringern die LDL-Konzentration (Cholesterin)
und die Triglyceride (vgl. unter anderem The New England Journal of Medicine,
3. August 1995). Soja enthält einen Aminsosäurenkomplex, der bei einer
forcierten Diät leider ebenfalls abgebaut wird (Muskeln). Sojaproteinextrakte
gelten inzwischen sogar als wirksame Vorbeugung gegen Krebs. Man empfiehlt 6 bis
30 g Sojapuder oder mindestens 7 g Sojaextrakt (Tabletten, Kapseln) täglich.
Magnesium Dieser Mineralstoff spielt bei der Glukoseaufnahme
durch die Zelle eine wichtige Rolle. Außerdem ziehen Diäten fast automatisch ein
Magnesiumdefizit nach sich, was zu einer schlechten Glukoseverwertung führt. Es
empfiehlt sich daher, bei Diäten für einen Übergangszeitraum um die 1.500 mg
Magnesium täglich zuzuführen.
DHEA Versuche zeigten, daß Tiere, denen man zusätzliches DHEA
verabreichte, so viel fressen konnten, wie sie wollten, und dennoch schlank
blieben. Zwar läßt sich ein solches Ergebnis natürlich nur mit Einschränkungen
auf den Menschen übertragen, aber DHEA ist ein wichtiges Hormon, daß bei der
Glukoseverwertung hilft.
Carnitin Die Substanz gilt als wichtiger Fettsäureschlepper in
die Zelle; sie fördert somit die Verbrennung der angeführten Fette.
Ephedra Dies ist eine Pflanze, die die sogenannte Thermogenese
verbessert. Mit anderen Worten: Die zugeführte Energie wird beschleunigt und
verbrannt.
ATP Citrat Lyase (ATP = Adenosintriphosphat) Dieses Enzym
wandelt Blutzucker in Körperfett um. Die Fachliteratur empfiehlt 250 mg zusammen
mit jeder Mahlzeit; möglichst kombiniert mit 200 mcg Chrom.
Gymnea silvestri Diese Heilpflanze hilft mit, den Heißhunger auf
„leere“ Kohlenhydrate (Glukose/Zucker) zu stillen. Empfohlen werden 3 x 50 mg
täglich.
Ballaststoffe Bei einem Übermaß an Fett sind spezielle
Ballaststoffe angebracht. Sie sind in der Lage, das Fett an sich zu binden. Als
derzeit effektivster Stoff gilt Chitosan. Es wurde von norwegischen
Wissenschaftlern in den Schalen von Meerestieren entdeckt.
Es existieren auch Kombinationspräparate auf obiger Basis, die Chitosan,
Pektin, Psyllium, Chrom, Gymnea silvestri usw. in ausgewogener Form anbieten --
und sicherlich preiswerter sind, als wenn man die erforderlichen Substanzen
einzeln kauft.
Sojaproteine
Chromium
Magnesium
DHEA
Cartinin
Ephedra
Hydroxycitricsäure
Gymnea silvestri
Chitosan
Meeresalgenpflaster
Pilze:
Seit längerer Zeit gelten auch Pilze bzw. deren Extrakte als effiziente
Stütze bei Diäten.
Reishi (Glänzender Lacksporling). Durch den Fettaubbau während einer
Diät werden vermehrt die darin eingelagerten Schadstoffe frei gesetzt. Die Leber
unterliegt in dem Fall einer höheren Belastung, die eine erhöhte
Zellregeneration zur Folge hat. Die Regeneration wird durch Reishi angeregt.
Polyporus (Eichhase). Auch der Transport der Abfallstoffe mittels der
Lymphflüssigkeit gewinnt jetzt an Bedeutung. Polyporus verbessert die Funktion
des Lymphsystems, entwässert und wirkt dadurch entgiftend
Hericum (Igelstachelbart). Der Pilz trägt effektiv zur Regeneration
der Magen-Darm-Schleimhäute bei und trägt damit zu einer optimalen Verdauung
bei, was wiederum die Grundlage für einen gesunden Stoffwechsel ist.
Fragmente:
Man geht davon aus, dass die Appetitregulation bei Übergewichtigen gestört
ist. Bei Menschen, die regelmäßig Sport treiben funktioniert auch diese
Regulation besser. Gab man Freizeitsportlern eine kalorienreiche Vorspeise, dann
aßen sie an einem nachfolgenden Buffet automatisch weniger. Sportmuffel hingegen
aßen stets gleich viel, egal ob sie mit der Vorspeise bereits viel oder
wenig Kalorien aufgenommen hatten. (Proceedings of the Nutrition
Society 2000/59.S.123A)
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