|
Der Muskel gehört zu jenen Organen, die bei Beanspruchung wachsen. Dabei
nimmt nicht die Anzahl der Muskelfaser (-zellen) zu, sondern ihr Umfang. Auch
bei starker Beanspruchung wie z. B. Bodybuilder ihn betreiben kann man in der
Regel davon ausgehen, daß über die normale Nahrung genügend Aufbaustoffe
(Aminosäuren) für das Muskelwachstum zugeführt werden. Insofern ist die Zufuhr
teurer Proteinnahrung fast immer überflüssig. Wegen des erhöhten
Sauerstoffverbrauchs und Stoffwechselumsatzes werden jedoch vermehrt
Mikronährstoffe (Antioxidantien) benötigt. Hier können entsprechende
Erkrankungen Hinweise geben, was benötigt wird.
Muskeldystrophie (Muskelschwund)
Bei der Muskeldystrophie (auch Muskelschwund) handelt es sich um einen
krankhaften Abbau der Muskelmasse, der meist im jugendlichen Alter beginnt und
sich mehr und mehr verschlechtert. Die nervliche Versorgung wird dabei jedoch
nicht angetastet. Es gibt zahlreiche Varianten, auf die hier nicht näher
eingegegangen werden soll. Als Ursache vermutet man eine Ernährungsstörung, die
erblich bedingt sein kann.
Eine jüngere Studie zeigte bemerkenswerte Besserungen, wenn die Betroffenen
hochdosiertes Coenzym Q 10 zu sich nahmen. Die erforderliche Dosierung lag bei 3
x 10 mg Coenzym Q 10. Nach neueren Erkenntnissen wird Coenzym Q 10 zusammen mit
Öl besser verwertet; daher sollt man, wenn möglich, ölhaltiges Conenzym Q 10
verwenden.
Muskelermüdung, krankhafte (Myasthenia gravis)
Die Myasthenia gravis ist durch eine krankhaft rasche Ermüdung der Muskulatur
charakterisiert. Dies macht sich vor allem bei der Sprech-, Kau- und
Schluckmuskulatur bemerkbar. Die Kraft und das Ausmaß wiederholt ausgeführter
Muskelkontraktionen läßt schnell nach und endet in völliger
Bewegungsunfähigkeit. Anfangs kehrt die Beweglichkeit nach einer bestimmten
Erholungsphase zurück. Bei fortschreitender Erkrankung jedoch findet keine
„Erholung“ mehr statt, so daß die Muskelpartie gelähmt bleibt. Die Erkrankung
endet bisweilen tödlich, weil oft auch die Atemmuskulatur betroffen ist.
Man geht davon aus, daß es sich bei dieser Krankheit um eine
Reizleitungsstörung zwischen Nerv und Muskel handelt. Vermutlich werden die
Botenstoffe der Nerven zu schnell zerstört, wobei man den „Übeltäter“ in einem
zu sehr aktiven Enzym (Cholinsesterase) sieht. Diskutiert werden neuerdings auch
Hormon- und Stoffwechselstörungen sowie bestimmte Autoimmunreaktionen. Bisher
wurden die Zusammenhänge zwischen Nährstoffen und Erkrankungsverlauf kaum
untersucht; eine eindeutige Aussage ist daher kaum möglich. Dennoch scheinen
einige Nährsubstanzen eine wichtige Rolle bezüglich Funktion und Erhalt von
Reizleitungen zu spielen.
Basisnährstoffe Da Freie Radikale bevorzugt fetthaltige
Strukturen (zu denen auch die Nervenummantelungen gehören!) attackieren, ist ein
grundsätzlicher Schutz mit Antioxidantien angebracht. Fortschreitende
Zerstörungen können damit minimiert, möglicherweise sogar gestoppt werden.
Essentielle Fettsäuren Die Ummantelungen der Nerven, die
sogenannten Myelinscheiden, besteht teilweise aus essentiellen Fettsäuren. Ihre
isolierende Wirkung ist Voraussetzung für eine reibungslose Reizleitung. Bei
dieser Erkrankung sind diese Myelinscheiden jedoch defekt und der Wiederaufbau
ist für den weiteren Verlauf der Erkrankung von Bedeutung. Betroffene sollten
daher eine Zufuhr essentieller Fettsäuren (Omega-Fettsäuren) erwägen. Die
wichtigsten sind die Eicosapentaensäure (EPS), die Docosapentaensäure (DPS) und
die Gammalinolensäure. Man empfiehlt 5 bis 6 g EPS/DHS und etwa 600 mg
Gammalinolensäure (Omega-6-Fettsäure).
Cholin und Inositol Beide Substanzen werden für die Einlagerung
der essentiellen Fettsäuren benötigt. Darüber hinaus erhöhen sie die
Konzentration des wichtigen Botenstoffs Acetylcholin und verbessern den
Energiehaushalt der Zelle. Tägliche Dosierungen von etwa 1 bis 2 g Cholin und 1
bis 2 g Inositol gelten als sinnvoll.
Alphaliponsäure Diese Substanz ist in der Lage, die
Signalweiterleitung der Nerven zu verbessern. Sie wird in der Fachliteratur in
Dosierungen von 400 mg täglich empfohlen.
Vitamin D3 In der Fachliteratur werden tägliche
Dosierungen von etwa 1.000 IE empfohlen.
An Medikamenten sollen sich Hydergin* (5 bis 20 mg täglich) und/oder
Deprenyl* (5 mg zweimal in der Woche) bewährt haben. |