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Statistisch gesehen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der westlichen Welt Todesursache Nummer eins. Die meisten Störungen des Herz-Kreislauf-Systems gehen auf unser eigenes Konto. Sie kommen selten als Schicksalsschläge, sondern bauen sich über Jahre oder Jahrzehnte allmählich auf -- durch eine Lebensweise, die das Fundament der Gesundheit schleichend untergräbt: Die meisten modernen Menschen haben zuviel Streß, bewegen sich zu wenig und ernähren sich einseitig und/oder leben ungesund. Aufgrund dieser Faktoren verlieren die Blutgefäße mit der Zeit ihre Elastizität. Als Folge davon können sich an den Innenwänden der Arterien Blutgerinnsel bilden, das heißt, der Bluttransport durch den Organismus ist behindert. Keine oder ungenügende Blutversorgung bedeutet den Tod für die davon abhängigen Zellen, Gewebe oder Organe (Herz, Gehirn). Die Folgen: Infarkt oder Schlaganfall. Schätzungen gehen davon aus, daß jährlich mehr als eine halbe Million US-Bürger mittelbar oder unmittelbar durch die Folgen von Blutgerinnsel getötet werden. In Deutschland erlitten 1997 rund 86.000 Menschen einen Herzinfarkt; um die Jahrtausendwende wird schätzungsweise jeder zweite Todesfall auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurückzuführen sein.

Das Gleichgewicht zwischen Zäh- und Dünnflüssigkeit des Blutes hängt von vielen Faktoren ab, die noch nicht alle restlos geklärt sind. Während das Blut im Normalfall im sogenannten „Solzustand“ sein sollte, muß es bei Verletzungen in den halbflüssigen „Gelzustand“ übergehen. Diese „Gerinnung“ ist wichtig bei äußeren Verletzungen, da nur auf diese Art der Blutverlust gestoppt werden kann. Aber ähnliche Verletzungen bzw. Geschehnisse im Inneren des Organismus, zum Beispiel in den Gefäßen, führen leider auch zu ähnlichen Gerinnungsabläufen, die dann jedoch im Extremfall zu Gefäßverschlüssen (Infarkten) führen können.

Die Verhinderung dieser nicht vorgesehenen Blutgerinnsel in/an Gefäßwänden kann heutzutage mit diversen Mitteln gemindert werden. Kleine Mengen (100 mg täglich) an Acetylsalicylsäure (Aspirinâ) und andere Stoffe werden daher von vielen Menschen zur Vorsorge genutzt.

Der Verschluß einer Wunde ist ein komplexer Vorgang, an dem mehrere Faktoren beteiligt sind. Eine Schlüsselrolle im Gerinnungsgeschehen spielt ein Eiweißstoff namens Fibrinogen. Er ist in unterschiedlichen Konzentrationen im Blut enthalten und befindet sich gewissermaßen in einer Art Warteposition. Kommt es zu einer Verletzung, so setzt dieses Fibrinogen einen Mechanismus in Gang, durch den es zur Gerinnung des Blutes bzw. zum Verschluß der Wunde kommt. Es behindert den weiteren Blutzufluß, indem es -- vefeinfacht gesprochen -- die Blutzellen aneinander bindet, was zu deren Ansammlung bzw. zur Gerinnung führt. Anschließend wird das Fibrinogen in Fibrin umgewandelt, welches dafür verantwortlich ist, daß die Wunde sich schließt.

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Man hat nun festgestellt, daß hohe Fibrinogen-Werte eine Person anfällig gegen Erkrankungen der Herzkranz- oder arteriellen Gefäße machen. Bemerkenswerterweise besteht diese Risikoerhöhung unabhängig von den bekannten Faktoren, das heißt, normale Cholesterinwerte ändern nichts am Risiko duch hohe Fibrinogenwerte. Der Hinweis, daß Rauchen das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöht, bekommt dadurch einen neuen Sinn, denn der Tabakkonsum führt zu steigenden Fibrinogen-Werten.

In den letzten zehn Jahren konnte die Rolle des Fibrinogens immer klarer entschlüsselt werden. Zusammenfassend gesagt, sieht man heute in hohen Fibrinogenwerten einen ebenso deutlichen Indikator für Gefäßkrankheiten wie in altbekannten Risikofaktoren (erhöhter LDL-Cholesterinspiegel, erhöhte Triglyzerid-Werte, Übergewicht, Diabetes u. a.). Inwiefern man sogar von einer genetischen Disposition ausgehen muß, wird gegenwärtig heftig diskutiert. Die Anlage zu hohen Fibrinogenwerten scheint jedenfalls vererbbar zu sein.

In die gleiche Kerbe schlägt die Feststellung, daß die Sterblichkeitsrate wegen Gefäßleiden im Winter höher ist als im Sommer ist. Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen wäre, daß sich die Fibrinogenwerte bei Kälte um bis zu 23 Prozent erhöhen. Nach derzeitigem Kenntnisstand trägt Fibrinogen stark zur Arteriosklerose bei. Man geht davon aus, daß Fibrinogen und LDL-Cholesterin bei der Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen zusammenarbeiten. Vermutlich benutzt das LDL-Cholesterin Fibrinogen- bzw. Fibrinanlagerungen als „Gerüst“. Beide wären demnach also synergistisch an der Arteriosklerose beteiligt.

Da die meisten Herzattacken und/oder Schlaganfälle auf Blutgerinnsel zurückzuführen sind, mißt man deren Vermeidung in der Vorsorge größte Bedeutung bei. Da der Gerinnungsmechanismus recht komplex ist und von mehreren Faktoren abhängt, sind die Maßnahmen zur Risikosenkung ebenfalls entsprechend vielseitig -- je nachdem, wo es tatsächlich „hängt“: Acetylsalicylsäure (Aspirinâ, Minidosis 100 mg), grüner Tee, Ginkgo Biloba und Vitamin E zählen dabei zu den „klassischen“ natürlichen Gerinnselhemmern. In Sachen Fibrinogen empfiehlt es sich allerdings, noch mehr zu tun.

Vitamin A  Hohe Vitamin A bzw. Betakaroten-Werte im Blut gehen beim Menschen meist einher mit niedrigen Fibrinogen-Werten. Umgekehrt ergaben Tierversuche, daß wenig Vitamin A die Verstoffwechslung (Spaltung) und damit die Auflösung des Fibrinogens beeinträchtigt.

EPA (Eicosapentaensäure)/DHA (Docosahexaensäure)  Bei diesen beiden Substanzen handelt es sich um mehrfach ungesättigte essentielle Fettsäuren, die der Körper selbst nicht herstellen kann -- sie müssen also regelmäßig von außen zugeführt werden. Besonders reichhaltig sind sie in Fischöl enthalten.

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1985 wurde von holländischen Forschern nach einer 20jährigen Beobachtungszeit an 852 Männern festgestellt, daß ein Fischverzehr von ca. 30g/Tag (entspricht 2 bis 3 Fischmahlzeiten pro Woche) zu einer Senkung der Infarktmortalität von über 50 % im Vergleich zu Probanden, die keinen Fisch aßen, führte.

Bei einer später durchgeführten Untersuchung verglich man tägliche Fischmahlzeiten mit einer täglichen Einnahme von Fischölkapseln (EPA/DHA): Beides war gleich wirksam.

Eine weitere aufsehenerregende Studie kam vier Jahre später aus England:

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Burr et al. untersuchten über zwei Jahre lang 2.033 Männer nach einem Myocardinfarkt. Einer Teilgruppe wurde geraten, entweder reichlich Fisch oder täglich drei Fischöl-Kapseln zu verzehren. Bei dieser Gruppe gab es nach zwei Jahren 29 Prozent weniger Todesfälle als in der Kontrollgruppe, die sich genauso weiterernährte wie vor dem Infarkt.

Der Internist Dr. Peter Singer aus Heidelberg, einer der Pioniere der Fischöl-Forschung in Deutschland, erklärt die Schutzwirkung folgendermaßen: „Durch die Fettsäuren im Fischöl wird die Anlagerung von Blutgerinnseln an die Gefäßwand gehemmt, die Gefahr von akuten Gefäßverschlüssen (Thrombosen, Embolien) vermindert und der Durchfluß des Blutes durch die kleinsten Gefäße (Kapillaren) gefördert. So läßt es sich erklären, warum in einer Studie bei englischen Männern mit überstandenem Herzinfarkt unter einer fischreichen Kost (2 bis 3 Fischmahlzeiten pro Woche) oder der regelmäßigen Einnahme von Fischölkapseln nach zwei Jahren eine deutlich höhere Überlebensrate gefunden wurde als bei Männern, die weder Fisch noch Fischöl zu sich nahmen.“

Deshalb: Wer Kalorien vermeiden möchte und/oder dennoch keinen Mangel an ungesättigten Fettsäuren riskieren möchte, kann auf entsprechende Fischöl-Produkte zurückgreifen -- die empfohlene Tagesdosis beträgt etwa 3 g der Wirkstoffe EPA/DHA.

Folsäure und Vitamin B6  Da nach derzeitigem Sachstand erhöhte Homocysteinwerte die natürliche Spaltung des Fibrinogen blockieren, rät man zu einer gleichzeitigen Senkung dieser Werte durch erhöhte Zufuhr von Folsäure und Vitamin B6.

Vitamin C  Vitamingegner behaupten zwar, daß eine Zufuhr von über 200 mg Vitamin C täglich angeblich nichts bringt, aber entsprechende Studien belegen das Gegenteil: So wurde Patienten mit erhöhten Fibrinogen-Werten täglich 1 g Vitamin C verabreicht -- ohne erkennbaren Erfolg. Verdoppelte man die tägliche Vitamin C-Menge jedoch auf 2 g täglich, besserte sich der Zustand augenblicklich: Der Plättchen-Ansammlungs-Index sank um 27 Prozent, das Gesamtcholesterin verminderte sich um 12 Prozent und die Fibrinogenspaltung wurde um 45 Prozent verbessert. (Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hielt jahrzehntelang 75 mg Vitamin C täglich für ausreichend).

Bromelain  Diese proteolytische Enzym stellt möglicherweise die wirksamste Nährstoffergänzung zur Fibrinogensenkung dar. Experten raten dazu, diese Substanz in standardisierter Form zu sich zu nehmen -- zusammen mit anderen herzwirksamen Heilkräutern. Die Tagesdosierung für Bromelain beträgt ca. 500 bis 1.250 mg.

Nötige Verhaltensänderungen

Einerseits ist es verständlich, daß Betroffene nur sehr ungern falsche Gewohnheiten ändern, andererseits würde die höhere Lebensqualität durch mehr Gesundheit vielleicht doch die eine oder andere Verhaltensänderung rechtfertigen. Der Fibrinogen-Gehalt verringert sich nämlich, wenn ...

das Rauchen eingestellt wird,

Übergewicht abgebaut wird,

das LDL-Cholesterin gesenkt wird,

Kälte gemieden wird.

Im übrigen gelten für Personen mit Gefäßerkrankungen auch die Hinweise im Arteriosklerose-Protokoll.

Herzinfarkt

Der Herzinfarkt gehört zu jenen Situationen, in der das Überleben von einer schnellen - professionellen – Hilfe, abhängt.

Vorab: Herzinfarkt ist keine Männerkrankheit; Frauen sind in gleichem Maße betroffen.

Voraussetzung für eine schnelle, richtige Reaktion ist die korrekte Einschätzung der Symptomatik.

In zwei Drittel der Fälle sind Brustschmerzen oder Druck die klassischen Symptome eines Herzinfarkts. Vorsicht. Ein Drittel der Betroffenen hatten keine Brustschmerzen.

Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen in Kopf oder Schulter, in einen oder beide Arme ausstrahlender Schmerz, intensive Angst können hinzukommen.

Bei der Einschätzung der Symptome muss man einen Unterscheid zwischen Männer und Frauen machen. Frauen haben die Neigung ihre Symptome als Verdauungsbeschwerden, Nahrungsmittelvergiftung oder Vorboten einer Grippe abzutun, wodurch sachgerechte Hilfe bei ihnen öfters als bei Männern zu spät kommt.

Vor allem keine Panik – und schnell handeln:

Notarzt anrufen und den Herzinfarkt berichten. (Der Umweg über den Hausarzt kostet nur kostbare Zeit).

Sofort ein Aspirin (500 mg) nehmen, um eventuelle Blutgerinnsel aufzulösen.

Sofort ins Krankenhaus. Nicht selbst fahren, aber wenn ein Krankenwagen möglicherweise zu lange dauert, dann lassen Sie sich fahren.

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