| Seit einiger Zeit sind Pilzinfektionen besonders stark
in der Diskussion, deswegen soll hier etwas ausführlicher darauf eingegangen
werden. Candida gilt als eine relativ neue Erkrankung, die oft nicht erkannt
wird. Verursacht wird diese Infektion durch den Hefepilz Candida albicans.
Dieser Pilz tritt gelegentlich im Magen-Darm-Trakt auf. Seine Anwesenheit bzw.
der Nachweis allein bedeutet jedoch noch gar nichts. Der Pilz kann überall
vorkommen, wird jedoch meist von Bakterien an einer übermäßigen Ausbreitung
gehindert.
Aber -- so der Tenor vieler moderner Publikationen -- dieses Gleichgewicht
kann durch Faktoren wie schlechte Nahrung, Streß, Umweltschadstoffe, Antibiotika
und andere Faktoren gestört werden. Dann gerät der Pilz außer Kontrolle, nimmt
überhand und produziert schädliche Gifte aller Art. Diese wiederum können das
Immunsystem in seiner Funktion behindern, Allergien auslösen, Hormonstörungen
verursachen und zu weiteren Erkrankungen wie Arthritis, Asthma, Psoriasis,
Unfruchtbarkeit, Hyperaktivität bei Kindern usw. führen.
Es steht fest, daß jeder Organismus von einer regelrechten Armada an
Bakterien und Pilzen bevölkert wird. Im gesunden Körper besteht eine ausgewogene
Balance zwischen (guten) Bakterien und (bösen) Pilzen aller Art. Antibiotika zum
Beispiel können dieses Gleichgewicht empfindlich stören, indem sie die Bakterien
(auch die guten!) dezimieren, wodurch sich der Pilz schnell vermehren kann. Es
ist somit nichts Ungewöhnliches, wenn jemand im Anschluß an eine
Antibiotika-Behandlung von einem Pilz befallen wird. Eine weißliche Zunge
beispielsweise ist ein bekanntes Symptom für einen Pilzbefall im Mundbereich.
Normalerweise bricht jedoch der Nachschub an Bakterien nicht ab, und da diese
den Pilz „zum Fressen gern“ haben, erledigt sich der Pilzüberhang häufig von
ganz alleine.
Gerade frisch verliebte Paaren oder Personen mit häufig wechselnden
Geschlechtspartnern lernen die Balance zwischen Bakterien und Pilzen oft
unfreiwillig kennen. Es liegt auf der Hand, daß vor allem im feuchtwarmen Klima
der Scheide das Gleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen von Bedeutung ist
und sehr leicht gestört werden kann. Da genügt oft schon ein neuer (durchaus
gesunder!) Partner, um einiges aus dem Lot zu bringen. Das empfindliche
„Kleinbiotop“ der Frau und das des Mannes müssen sich gewissermaßen erst
aneinander gewöhnen. Bestenfalls bildet sich bei beiden schnell und symptomfrei
eine neue Haus- und Hofgemeinschaft; schlimmstenfalls gerät das Gleichgewicht
kräftig durcheinander und der Pilz (meist Candida) gewinnt überhand. Die
Symptome wie Juckreiz, Brennen, Ausfluß hat wohl schon jede Frau irgendwann
einmal erlebt. (Und keineswegs muß da eine dritte Person im Spiel gewesen
sein!)
Candida albicans kann also durchaus krank machen -- sogar den gesamten
Organismus. Ob und inwiefern diese Erkrankung jedoch in dem Maße um sich greift,
wie manche Autoren dies behaupten, dafür gibt es bisher keine zuverlässigen
Hinweise. Gefährdet sind auf jeden Fall geschwächte Menschen: Personen nach
Operationen oder mit chronischen Infekten sowie AIDS- und Krebspatienten.
Liegt ein Candida-Verdacht vor, kann in einem Fachlabor der Stuhlgang
untersucht werden. Ein positiver Befund bedeutet nun aber nicht, daß der Mensch
wirklich erkrankt ist. Er ist lediglich ein Indiz für einen möglichen Befall,
und ein verantwortungsbewußter Arzt wird zuerst nach weiteren Hinweisen suchen,
ehe er eine endgültige Diagnose stellt. Die wichtigsten Symptome sind:
Darmblähungen, schmieriger Stuhlgang, Kurzatmigkeit, Herzbeschwerden,
Hauterkrankung, Juckreiz am Darmausgang und immer wiederkehrende
Vaginalentzündungen.
Vorsicht: Die Symptome sind oftmals so diffus, daß man sich vor
Selbstdiagnosen hüten sollte -- zumal man eigentlich nicht genau weiß, ab
welcher Grenze (zum Beispiel Anzahl der Pilze pro Gramm Stuhlgang) man von
krankhaftem Pilzbefall reden sollte. Pilze im Stuhlgang sind im Grunde genommen
ein Normalbefund.
So uneinig sich die Fachleute bei der Diagnose auch sind, bei der Therapie
zieht man jedoch weitgehend am selben Strang: Meist können die Pilze mit relativ
harmlosen, lokal wirkenden Anti-Pilzmitteln wie Nystatin, Amphotericin B,
Natamycin usw. behandelt werden. Diese Mittel hemmen allerdings lediglich das
Pilzwachstum. Für eine erfolgreiche „Entpilzung“ sollte man den Organismus daher
mit weiteren Mitteln unterstützen.
Ernährungsumstellung Radikaldiäten schaden vermutlich eher, als
daß sie nutzen. Generell sollte man sich möglichst ballaststoff- und
vitaminreich ernähren, auf Zucker oder Obst muß jedoch nicht verzichtet werden.
In Sachen Ernährungsumstellung bei Pilzbefall raten die einen zu
„pilzfeindlicher“ Nahrung, andere halten dies für Unsinn. Sicherlich kann es
nicht schaden, wenn man weniger Zucker und Weißmehl ißt, aber ob sich der Pilz
davon nachhaltig beeindrucken läßt, ist mehr als fraglich. Candida albicans
ernährt sich nun mal vorwiegend von Kohlenhydraten, und diese völlig zu
vermeiden, den Pilz gewissermaßen „auszuhungern“, dürfte ein wahres Kunststück
sein. Plausibel ist indes die allgemeine Stärkung des Immunsystems mit
Basisnährstoffen bei gleichzeitiger Zufuhr von bestimmten Nährstoffen, die der
Pilz nicht mag (und die dem Menschen nicht schaden).
Teebaumöl Laut einschlägiger Studien soll dieses Öl dem
Organismus bei candida-bedingten Darm- und Dickdarmentzündungen sehr gut helfen.
Das Öl kann auch auf befallenen Hautstellen aufgetragen werden.
Kräutermixturen Die Kolon-Sanierung nach Dr. Gray (USA) soll
eine sehr wirksame Methode sein, um den Pilzbefall zu reduzieren. Hierbei wird
der Darm durch bestimmte Kräutermixturen wirksam entschlackt (teilweise sehr
alte Darmreste werden gelöst und beseitigt), und die vorhandenen
Laktobakterienstämme werden durch spezielle Laktobakterien-Nahrung zur
Vermehrung angeregt.
Knoblauch, Biotin und Caprylic Acid Diese Mittel haben einen
direkten hefetötenden Effekt im Darm, während Ballaststoffe bei der Beseitigung
von Hefe und Pilz behilflich sind. Bestimmte Produktmischungen mit diesen
Inhaltsstoffen tragen dem Rechnung und erleichtern die Einnahme der
verschiedenen Substanzen.
Haifischleberöl Es bewies zumindest im Labor pilztötende
Effekte. Der wirksame Inhaltsstoff, das Alkylglycerol, wird in derartigen Fällen
in Dosierungen zu 1.000 mg täglich empfohlen. Allerdings sollte das Mittel nicht
länger als 30 Tage zugeführt werden.
In hartnäckigen Fällen wird man spezielle Medikamente einsetzen müssen, um
den Pilz abzutöten. Es liegt jedoch auf der Hand, daß Medikamente einen erneuten
Befall nicht verhindern können. Daher empfiehlt sich eine wirksame Vorbeugung
durch die beschriebenen Maßnahmen. |