| In Deutschland steht der Konsument vor folgendem
Dilemma: Während etliche gesundheitlich unbedenkliche Mittel wie beispielweise
hochdosierte Mikronährstoffe praktisch nicht erhältlich sind, kann man
Substanzen aus den Labors der Pharmaindustrie, deren Nebenwirkungen teilweise
fatal sein können, überall kaufen. Dazu gehören bekannte Schmerzstiller mit
Inhaltsstoffen aus aromatischen Aminen, wie zum Beispiel Paracetamol*,
die von chronischen Schmerzpatienten oftmals übermäßig konsumiert werden. Der
berüchtigtste Vertreter dieser sogenannten Anilin-Derivate war ursprünglich
Phenacetin*. Erst nach jahrelangem Gebrauch wurde festgestellt, daß eine
„mißbräuchliche“ Nutzung zu ernsthaften Nierenschädigungen führen kann. Unter
„mißbräuchlich“ verstand man, daß die Niere eines Menschen nur eine bestimmte
absolute Dosis (zum Beispiel 1 kg) verträgt: War diese Menge erreicht -- egal in
welchem Zeitraum --, dann riskierte der Patient ein Nierenversagen, unter
Umständen mit tödlichem Ausgang. Phenacetin wird seit etwa 15 Jahren auf dem
europäischen und amerikanischen Markt nicht mehr verwendet. Sein direkter
„chemischer Bruder“, das Paracetamol, gilt indes offiziell als gesundheitlich
unbedenklich und wird sogar in Kinderzäpfchen verwendet. Allerdings ist bisher
nicht erwiesen, daß Paracetamol auf lange Sicht weniger nierenschädigend
ist als Phenacetin. (Die hin und wieder auftauchende amerikanische Bezeichnung
Acetaminophen bezeichnet das chemische „Gerüst“ (Kohlenstoffring), von dem sich
die Substanzen Paracetamol und Phenacetin ableiten.)
Bekannt, wenn auch nicht allgemein verbreitet, sind hingegen die
Leberschädigungen bei den Paracetamol-Vergiftungen. Der Unterschied zum
Nierenversagen ist für den Betroffenen allerdings eher akademischer Natur.
Bereits Dosierungen über 10 g können zu schweren, auch tödlichen
Leberzellnekrosen führen. Vergleicht man dies mit der üblichen empfohlenen
Dosierung von 500 bis 1.000 mg, dann kann demnach die zehnfache Menge bereits
tödlich sein. Bei chronischen Schmerzen sind Tagesmengen von 2 bis 3 g (und
mehr) keineswegs unüblich.
Gefahr von Leberschädigungen
Die schädigende Wirkung beruht auf den Freien Radikalen, die die
Leberzellproteine attackieren. Sie entstehen duch die Oxidation der Mikrosomen.
Bei üblicher Dosierung (500 bis 1.000 mg) werden diese Stoffe durch
körpereigenes Glutathion abgefangen. Erst wenn die Glutathion-Speicher geleert
sind, wird die zellschädigende Wirkung erkennbar.
Paracetamol-Medikamente werden derzeit unter verschiedenen Markennamen
verkauft. Die Hinweise darauf, daß viele freiverkäufliche Schmerzmittel
(Phenacetin, Paracetamol) zu Nieren- und/oder Leberschädigungen führen können,
werden in Anbetracht der schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen jedoch
sträflich vernachlässigt. Hier macht sich leider auch bemerkbar, daß sich viele
Medien über die entsprechenden Anzeigenaufträge der Pharmaindustrie finanzieren.
Derzeit sind keine Mikronährstoffe bekannt, die eine bereits vorhandene
Nierenerkrankung durch aromatische Amine heilen könnten. In der Literatur taucht
jedoch gelegentlich der Hinweis auf, daß zwei- bis dreimal täglich 1 g Taurin
und faserreiche Kost hilfreich sein können.
Cystein und Methionin Im Falle einer Vergiftung (zum Beispiel
Selbstmordversuch) mit aromatischen Aminen wird der Schulmediziner Cystein und
Methionin verabreichen. Sofern diese Mittel rechtzeitig zugeführt werden können,
kann das Leben des Patienten gerettet werden, weil die Bildung Freier Radikale
gestoppt wird. Die Eigenschaft von Cystein, die Bildung von Freien Radikalen zu
unterbinden, kann auch genutzt werden, um die Nebenwirkungen dieser
Medikamentengruppe zu neutralisieren. Wurden einem Patienten Schmerzstiller auf
der Basis aromatischer Amine verschrieben, so empfiehlt es sich, deren
schädliche Begleiterscheinungen durch die Einnahme von Cystein zu minimieren --
am besten zusammen mit mindestens einem Gramm Vitamin C.
Glutathion Auch Glutathion schützt die Leber gegen Freie
Radikale. Ein pragmatischer Weg, den potentiellen Schädigungen durch aromatische
Amine vorzubeugen, ist demnach die zusätzliche Einnahme von
Kombinationsprodukten aus Glutathion, Cystein und Vitamin C. Sie werden oft als
Anti-Raucher-, Anti-Tabak- oder Anti-Alkohol-Produkte angeboten. Experten
empfehlen, eine Kapsel der erwähnten Kombination zusammen mit dem entsprechenden
Schmerzmittel zu nehmen.
In Anbetracht der häufigen Verwendung von Schmerzmittel mit aromatischen
Aminen und der dadurch ausgehenden Gefahr der Leber- und Nierenschädigung kann
man sich über den leichtfertigen Umgang damit alles in allem nur wundern.
Untersuchungen ergaben, daß Menschen, die regelmäßig Paracetamol (zusammen mit
anderen Schmerzstillern) einnahmen, ein drei- bis achtfach höheres Risiko auf
Leberkrebs hatten.
Tip: Wenn immer möglich, versuchen Sie Schmerzen mit
natürlichen Mitteln zu bekämpfen (siehe auch die Artikel Arthritis und
Schmerz). Wo dies nicht möglich ist, vermeiden Sie unbedingt die tägliche
Einnahme von Schmerzmitteln auf Basis aromatischer Amine, zum Beispiel indem Sie
mit anderen Mitteln (wie Acetylsalicylsäure = ASS = Aspirinâ)
abwechseln. |